Single-Sonntag Teil 1

Schon wieder Sonntag! Der Sonntag hat sich mehr und mehr zum Horror-Tag für Singles gemausert. War man Freitags und/oder Sonnabends noch fröhlicher Gast bei Freunden, in Clubs, in der Stammkneipe oder gar auf einer privaten Party, ist man als Insasse einer deutschen Großstadt Sonntags wieder mit dem Scherbenhaufen der eigenen Existenz konfrontiert: der große Katzenjammer setzt ein!

Man erwacht, wenn es dem Nachbarn gefällt laute Geräusche zu verursachen, quält sich mit steiffen Gliedern in’s Bad und mag die unrasierte, verlebt wirkende Kreatur im Spiegel garnicht soo genau betrachten. Nach kurzem, aber heftigem Kampf mit Espressomaschine, Kühlschrank und Mikrowelle erhält man ein Getränk, welches irgendwie an Kaffee erinnert und setzt sich damit vor den Computer.

Man liest die üblichen Online-Zeitungen ab, kuckt, ob schon jemand bei Facebook Zuckungen zeigt und sieht im Newsreader, dass die anderen Blogger auch nicht gerade sonntagsaktiv sind.

Nun gut. Da man eh noch nicht angezogen ist, kann man sich auch nochmal kurz auf’s Bett legen. Irgendwo am Matratzenrand findet sich endlich die Fernbedienung und man begibt sich auf die aussichtslose Reise durch’s sonntägliche Fernseh-Programm. Das ist in meinem Fall ein besonders schlimmes Unterfangen: Bis vor wenigen Wochen funktionierte alles ganz ausgezeichnet. Die Sender waren in der von mir präferierten Reihenfolge gespeichert und flimmerten in schönster Low-Definition über die Mattscheibe. Doch irgendwer beschloss, dass in unserem neuköllner Mietshaus der Kabelanschluss dringend repariert werden müsse. Die Gründe sind mir bis heute schleierhaft. So kamen denn zwei beblaumannte, schnurrbärtige Handwerker und machten sich, einander im hiesigen Dialekt  beschimpfend, an den diversen Kabelanschlussverzweigungen zu schaffen. Nach drei Stunden der Verbreitung von Schmutz und Flüchen trollten sich die Kabel-Trolle ihrer Wege mit dem Ergebnis, dass meine bewährte Senderreihenfolge nun perdü ist und jeder zweite Sender mehr Schnee aufweist als ein durchschnittlicher berliner Winter. Hierfür meinen innigsten Dank an die Hausverwaltung verbunden mit der Frage, ob denn die, seit einem halben Jahr kaputte Glühbirne im dritten Stock demnächst auch solch fachkundige Behandlung erfährt?

Wie die Leserschaft sich vermutlich vorstellen kann, ging die Reise in die Welt des Fernsehens ohne nennenswerte Informationsbeschaffung oder Unterhaltung gründlich in die Hose. Ergo: Nickerchen! Wer schläft sündigt nicht, langweilt sich nicht und geht seinen Mitmenschen nicht auf den Sack! Blöd nur, dass man irgendwann wieder aufwacht. Zurück an den Rechner. Facebook-Freundin E. hat 54 Fotos aus dem Bali-Urlaub online gestellt: Palmen, Mädchen in Bikinis, Vulkane, Sonne. Toll! Blick aus dem Fenster:  Hinterhof, Regen, Grau, Hausmeister D. brüllt seinen Köter an. In den Blogs ist auch nichts von Belang passiert.
Ab in den Sessel mit einem Buch. Buchstaben. Buchstaben bilden Worte. Worte bilden Sätze. Sätze bilden einen Text. Verwirrung. Kaum was bleibt hängen. Ein knurrender Magen (ich glaube, es ist mein eigener) treibt mich zum Kühlschrank. Minutenlang blicke ich die Kühle. Käse, Salami, Kiwis, Senf, Fruchtaufstrich. Unter Zuhilfenahme von Toastbrot wird ein bescheidenes Frühstück hergerichtet. Es ist jetzt 14.00 Uhr und ich habe keine Zigaretten mehr.

(Fortsetzung folgt)

(Oel & Flammen direkt)

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    • katja
    • 10. Dezember 2009

    nun haben wir bald den nä sonntag und ich warte auf die fortsetzung!!! und warte und warte….

  1. …und wartest bis Sonntag.

  1. 21. Dezember 2009
  2. 7. Januar 2010

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