Verkatert einkaufen

Den gestrigen Abend verbrachte ich in meiner Lieblings-Bar im Kreise netter Menschen trank dort Bier und Sambuca und lauschte dort dem Folk/Country-Trio Axels Law. Und wie es manchmal so kommt, sieht man sich plötzlich unter den letzten Gästen. Ein Moment, den ich durchaus zu schätzen weiss. Ich finde die Stimmung in einer Bar die gerade schliesst einfach großartig. Die Hocker sind größtenteils schon hochgestellt und der Italienische Gast neben mir bemüht sich seit einer gefühlten Stunde redlich, aber erfolglos einen Joint für den Heimweg zu rollen. Vor den Fenstern huschen ab und zu schemenhafte Gestalten durch die kalte Nacht. Der Geiger der Band klemmt sein Köfferchen unter den Arm und trollt sich leise grüßend in die Dunkelheit, während der Barkeeper gelassen Gläser putzt. Da der Italienische Gast für heute seine Deutschkenntnisse im goldenen Trank versenkt hat, beschliesse auch ich mich auf den Heimweg zu machen.

Um 10.30 ertönt das markerschütternd dreckige Gelächter von Hausmeister D. im Hinterhof, welches mich aus dem Schlaf zurück in die Realität befördert. Grummelnd begrüsse ich den Tag und die Nachbarschaft indem ich laut ‚She’s in parties‘ von Bauhaus höre. Nach einer Stipvisite im Bad und einem kurzen Blick in den Kühlschrank bin ich erstaunlich schnell in einigermaßen würdiger Kleidung und auf dem Weg zum nahen Discounter (was ich, streng genommen, politisch unkorrekt finde).

Natürlich hab ich keine Euro-Münze für den Einkaufswagen und darf meinen Supermarkt-Besuch an der Kasse beginnen und dort um Kleingeld bitten. Ein blödes Gefühl. Man steht ja nicht regulär in der Schlange, sondern bildet eine eigene Schlange aus der verkehrten Richtung und erntet dafür missmutige Blicke der anderen Einkaufenden. Mein Einkaufswagen blockiert natürlich nicht nur ausserhalb der roten Linie, sondern auch innerhalb des Marktes. Gleich im ersten Gang hält eine Neuköllner Matrone das Gesicht in die Gemüse-Auslagen und blockiert mit einer unheilvollen Mischung aus Gesäß und Einkaufswagen den Gang über die komplette Breite. Eigentlich hasse ich sie schon aus der Entfernung, raffe jedoch ein gerüttelt Maß an Kultur zusammen und warte geduldig, bis die Matrone ein paar Äpfel nach ihrem Gusto gefunden hat.

Glücklicherweise bin ich kein unerfahrener Einkäufer. Ich weiss, was ich will und ich weiss, wo es zu finden ist. Sogar beim politisch unkorrekten Discounter! Das erspart einem lästiges Suchen oder gehetzt wirkendes Personal in schmuddeligen Kitteln zu fragen. Denn das Beantworten von Fragen seitens der Kundschaft steht offenbar nicht im Ausbildungsplan des dort beschäftigten Personals.

Als ich an der einzigen geöffneten Kasse ankomme, stehen vor mir die üblichen Großeinkäufe und ich finde Gelegenheit meinen Atheismus in Frage zu stellen, denn ich denke, ein wenig Religion und Spiritualität könnten hier sicherlich recht hilfreich sein…

Als ich das von mir professionell zusammengestellte Warensortiment auf’s Band befördert habe, fällt mir die Kassiererin auf. Ohne ihr nahe treten zu wollen, muss ich jedoch bemerken, dass ihr Gesicht dem einer Brandenburgischen Bäuerin mit Hormonstörungen gleicht. Ihr schütteres Blondhaar hat sie mittels Zeugs aus einer Spraydose nach Hinten geklebt und, vermutlich um über ihrem Kittel etwas Glamour zu verstrahlen, glitzert hier und da in kleinen Klümpchen bunter Glimmer. Auf ihrem enormen Busen, der wirkt als könne er ein ganzes Dorf ernähren, prangt ihr Namensschild: Frau Hass!

Ich raffe meine Einkäufe zusammen, klemme mein unsexy Klopapier-Gebinde unter den Arm und beeile mich den Laden zu verlassen. Draussen fällt mich ein dort angeleinter Köter erfolglos an und nun bin ich froh, dass ich das Haus, zumindest in Pflicht-Dingen, heute nicht mehr verlassen muss.

(Bauhaus auf YouTube) (Oel in die Flammen direkt)

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  1. 8. März 2010

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