Bar 25 vs. MediaSpree

Das SlicesMag hat ein nettes kleines Filmchen über die berliner Bar 25 für ein paar Tage online gestellt. Die Bar 25 zählt ja nun schon sein mehreren Jahren zu den Institutionen im Wochenendleben der Hauptstadt und gehört tatsächlich zu den wenigen Clubs, die auch ich gerne mal besuche (1x im Jahr). Als Zwischennutzer auf einem Gelände der BSR ist die Bar nun auch auch massiv bedroht vom großkapitalistischen Ungetüm namens MediaSpree. Dem derzeit wohl größten Investorenprojekt in Berlin. Im Rahmen von MediaSpree soll das Spreeufer zwischen Jannowitzbrücke und Elsenbrücke auf 3,7 Kilometern mit Hotels, Büros, Lofts und anderem unansehnlichen Zeugs bebaut werden. Für den gemeinen Berliner bliebe gerade mal ein schmaler Fußweg und der eine oder andere Pocket-Park zwischen Spree und den architektonischen Ungetümen.

Nun hat sich jedoch auf den Brachen am Spreeufer ein bunte Sub- und Clubkultur angesiedelt, welche, wie einst der Tresor, nun fester, kutureller Bestandteil der Stadt sind und jede Menge Touristen und deren Geld anziehen. Ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor, der, ganz nebenher, für den Ruf sorgt, der Berlin im Rest der Welt so besonders erscheinen lässt. Kurzum, die Zwischennutzer wollen endlich als städtische Kulturschaffende und Wirtschaftskraft   anerkannt und auch so behandelt werden.

Unter anderem aus diesem Grund wurde die Initiative Mediaspree versenken! gegründet. An dieser Initiative beteiligen sich natürlich auch die Zwischennutzer wie Bar 25 oder das Kiki Blofeld. Natürlich sehen die Betreiber dieser Clubs auch ihre finanziellen Felle schwimmen. Gerade die Bar 25 dürfte der umsatzstärkste Zwischennutzer in Berlin sein. So ziehen denn die Bürger Kreuzbergs, Friedrichshains und Treptows Seite an Seite mit Clubbetreibern, Fans und Sympathisanten in bunten Demos zu Land und auf der Spree gegen die übermächtig erscheinenden Windmühlen und fordern ein „Spreeufer für alle!“

Dass die Bürger Berlins, nicht nur die direkten Anwohner, so etwas wünschen und sogar nachhaltig fordern, ist mehr als verständlich und ihr verdammtes Recht! Denn wenn erst einmal die Schicken Büros, Hotels und Lofts am Ufer stehen, kann sich Ottonormalberliner in der Gegend garantiert keine Wohnung mehr leisten. Von dem daraus resultierenden Verkehrsinfarkt in der Ecke mal ganz zu schweigen.

Dass jedoch ausgerechnet die Bar 25 sich den Slogan „Spreeufer für alle!“ auf die Fahnen schreibt, gibt mir doch sehr zu denken. Ist doch gerade die Bar für eine äusserst restriktive Türpolitik bekannt, und lässt nur herein, was man nach den strengen Kriterien der Betreiber unter „alle“ einordnen kann. Nicht ohne Grund trägt die Dame, die zeitweise an der Tür Selektionen durchführt, die Bezeichnung Nazi in ihrem Spitznamen. Hinter dem von genannter Dame bewachtem, meterhohen Zaun hockt und feiert dann die Betreiberschaft nebst ihrer In-Crowd in feinster Uferlage, ungestört vom ungewollten Pöbel, und bewohnt diese im Sommer sogar. In den USA nenn man so etwas Gated Community und in Kreisen, die ein Spreeufer für alle fordern, sollte solch elitäres Verhalten mehr als verpönt sein.

Dass Türsteher in Clubs leider unumgänglich sind, ist jedem klar. Niemand möchte von allzu betrunkenen Trollen die Sneakers vollgekotzt bekommen oder von kahl rasierten Störenfrieden in Umland-Hosen (Camouflage) angepöbelt werden. Blöderweise wird aber gerne mal nicht eingelassen, wer zufällig Inhaber eines Pimmels („Zuviele Männer hier!“) ist oder den Bar 25schen Moderichtlinien nicht entspricht. Damit unterscheiden sich die Betreiber nicht die Bohne von den MediaSpree-Yuppies, denen sie ein „Spreeufer für alle!“ abverlangen.

Auch in diesem Fall gilt, vor Inbetriebnahme des Mundwerks das Gehirn einzuschalten!

Hier noch eine interessante Abrechnung mit der Bar 25 von Mark Seibert aus dem Sommer 2008.

(via KFMW) (Bar 25-Film) (Oel in die Flammen)

Advertisements
  1. 22. Oktober 2010

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: