Leben und sterben im Blog

Der Herr René Walter, einer der Blog-Granden der Republik (Nerdcore, 5 Filmfreunde), erhielt gestern eine Interview-Anfrage zum Thema Blog-Sterben: „Nun wollte ich fragen, ob du mit mir über das Thema Blog-Sterben sprechen könntest. Was ist dran, was passiert wirklich, wie stehen Blogger zu Twitter, warum funktionieren manche Blogs und andere nicht?“ Was er dazu zu sagen hatte, bin ich zu faul zusammenzufassen und bitte euch, es hier bei Nerdcore selber zu lesen… Jedenfalls vermutet er, sein Blog sei so erfolgreich, weil es, mit ein paar Ausnahmen, eben nicht persönlich sei.

Nun las ich heute jedoch in einem meiner Lieblingsblogs, kkpropaganda, „Ich finde ja, dass Blogs im virtuellen Raum die Plätze für persönliche Geschichten sein sollten.“ Finde ich auch! Mein Blog soll nicht nur als wasweißichwievielter Filter dienen. Und obwohl ich das (fast) unpersönliche  Nerdcore super finde, bin ich überzeugt davon, dass gerade persönliche Beiträge einem Blog ein Quentchen mehr Würze und Individualität verleihen. Nun ist mein Blog alles andere als erfolgreich, zumindest an den Leserzahlen gemessen. Bei einigen Real-Life-Feedbacks erfuhr ich jedoch, dass gerade das persönlichste, was ich je geschrieben habe (Single-Sonntag 1, 2, 3), auf besonders viel Gegenliebe stösst. Und, scheisse, das ist sogar sehr persönlich! Natürlich habe ich hier und da an den Fakten gefeilt und auch gerne mal kräftig überspitzt, der Kern ist jedoch persönlich.

Natürlich möchte ich auch Interessantes, Unterhaltsames, Schräges und Lesens- bzw. Sehenswertes für meine kleinefeine Leserschaft aus dem Netz filtern, aber andererseits, dass gestehe ich mir in diesem Moment selber ein, bin ich offenbar auch exhibitionistisch genug, hier auch einmal ordentlich blankzuziehen und meinen Lesern Teile meines eigenen Universums vor die Nase zu halten.

Ich glaube nicht ans Blog-Sterben. Doch hat Herr Nerdcore in zumindest einem Punkt Recht. Viele bloggen nicht mehr, weil sie ihren Senf (wertfrei!) ja auch ganz famos twittern oder bei Facebook ablassen können. Da ist man ein gutes Stück Verantwortung los. Ein Blog, und vor allem dessen Leser, wollen täglich gefüttert werden. Als ich, meiner Weihnachts- und Silvester-Feiereien wegen, die Bude hier für ein paar Tage still und starr ruhen liess, sausten mir die Leserzahlen auch in den Keller. Wieviel einfacher ist es da, kurz mal was zu twittern oder bei Facebook rein zu husten!?!

Mag ja sein, dass mein Blog, bereits kurz nach seiner Geburt, leserzahlenmäßig, mit einem Bein im Grab steht. Ist mir relativ egal! Ich mache weiter mit meiner Mischung aus persönlich und dem Zeug, was auch viele andere Blogs für ihre Kunden aus dem Netz filtern. An Leserzahlen gemessen, hat mein Blog schon immer im Grab gesessen. Eine Totgeburt quasi. Trotzdem halte ich die Bude hier für quicklebendig! Und das, obwohl ich gerade mal in einer einzigen Blogroll auftauche, und da hab ich mich auch noch selber rein geschrieben.

Ich werde mal folgendes Experiment wagen: Diejenigen unter euch Lesern, die mich nicht persönlich kennen, bitte ich, hier mal einen kurzen Kommentar zu hinterlassen. Ich wette, dass die Anzahl der Kommentare 3 nicht überschreiten wird (wenn überhaupt ein einziger Kommentar kommt, kann ich schon froh sein!).

(eine Reaktion zu Nerdcore und kkpropaganda) (Oel in die Flammen)

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  1. Ich kenn das Blog nicht, ich kenn dich nicht, herrvorragende Voraussetzungen einen der gewünschten Kommentare zu hinterlassen. ;)

  2. ich kenn deinen blog auch nicht, aber deine story mit dem single sonntag fand ich ganz gut.

  3. Hiermit wird dem Wunsch nach Deinem Experiment entsprochen. Ich finde es gibt eine unheimlich interessante Bloglandschaft. Wie es jedoch auch in der Natur vorkommt ist die Zusammensetzung der individuellen Blogger sehr bunt. Es gibt nicht den Kieferwald im Bloggerforst. Es gibt herrlichen Mischwald. Was die Zahlen betrifft, lass dich nicht irre machen.Statistikkram. Ich kenne viele Blogger denen sind die Zahlen sowas von egal. Wieso sollte man den Pay TV Sendern ARD und ZDF, mit ihrer Neigung nach der Quote zu schielen, hier im Netz nachahmen?

    • Georg
    • 28. Januar 2010

    Ich kenne Dich ebenfalls nicht. Da ich normalerweise auf sicherheitspolitischen Blogs rumkreuze, werden sich unsere Wege auf nicht mehr kreuzen. Aufmerksam geworden bin ich auf deinen Blog über eine Beitrag über das aktuelle Sterben von „sicherheitspolitischen Blogs“ in Deutschland.

    Gruß Georg

    • KK
    • 25. Oktober 2010

    über diesen Artikel kommen übrigens immer noch mehrmals die Woche MENSCHEN oder so auf meine Wenigkeit. ich finde das sehr erstaunlich.

    • Wenn man ‚kkpropaganda‘ gugelt, geht einer der ersten Treffer komischerweise direkt hier hin. Keine Ahnung wieso Du nicht höher gelistet bist…
      Letzten Endes suchen die MENSCHEN ja offenbar nach Dir, kriegen jedoch von Google den Umweg über meine Bude hier verordnet, was ich offen gestanden, so schlimm nicht finde.

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