Ein Pfund Hack und ein ethisches Dilemma

Kürzlich hatte ich unbändige Lust auf Chili-Cheese-Fries. Das sind Fritten mit Käse, Hack und Jalapenos. Ein wunderbares Kater-Essen! Auch für den nächtlichen Heisshunger oder als schneller, schmackhafter Junk eine feine Sache. Da ich Zeit zum Planen, jedoch keine Lust hatte den Imbiss aufzusuchen, der eben diese Fries auf der Karte hat, holte ich mir alle Zutaten im nahen Supermarkt und bereitete mir das gewünschte Gericht zum Abend.
Am nächsten Tag waren Fritten und Jalapenos verspeist, von meiner Hack-Zubereitung war jedoch noch jede Menge vorhanden. So improvisierte ich denn etwas Hack auf eine Scheibe Toast, legte etwas mittelalten Gouda und eine weitere Scheibe Toast darüber und legte dieses Stapel-Gericht in den Sandwich-Toaster, das Küchengerät für den männlichen Single-Haushalt schlechthin! Toll, was dabei herauskam! Und das in gerade einmal fünf Minuten.

Heute wollte ich mir meinen Käse-Hack-Toast nicht als Reste-Gericht, sondern mit voller Absicht zubereiten. Nachdem ich in der Öffentlichkeit starken Kaffee und leichte Gesellschaft zu mir genommen hatte, betrat ich einen der Zahlreichen Supermärkte in der Nähe meiner bescheidenen Behausung.

 

An der Kasse saß wieder Frau Hass. Frau Hass trägt das Haar jetzt etwas kürzer. Sie benutzt allerdings noch immer eine sprühbare Chemikalienmischung um ihr Haar nach hinten zu kleben, dafür verzichtet sie, zumindest heute, auf Glimmer-Klümpchen. Am Kühlschrank für Frischfleisch angekommen, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass das von Öko-Test mit „Gut“ bewertete Hack ausverkauft war. Dabei war es noch nicht eimal 18:00 Uhr! Als ich schon verärgert meiner Wege ziehen wollte, erblickte ich einen ungewöhnlich vollen Einkaufswagen. Mehl, Zucker und Olivenöl waren darin in Massen vertreten. Als ich diesen Kleintransport passierte, sah ich darin auch circa 25 Pakete der von mir bevorzugten Hackfleisch-Mischung. In der Nähe waren zwei Männer, die einen zweiten Wagen mit allerlei Gemüse voll luden. Kistenweise wanderten Pilze, Tomaten und Gurken in das Gefährt. Ich dachte recht zornig bei mir „Können die Arschnasen ihren Großeinkauf für ihre verkackte Imbiss-Bude vielleicht mal im dafür vorgesehenen Großmarkt erledigen, anstatt hier anständigen Neuköllnern das Abendessen vor der Nase weg zu schnappen?“. Ich hielt meinen Zorn für durchaus gerechtfertigt. Ich habe nicht das Recht im Großmarkt einzukaufen. Im Gegenzug sollen Imbiss- oder Wasweissich-Betreiber in normalen Supermärkten für’s Volk, gefälligst gemäßigte Einkäufe tätigen.

Ich fasste einen Plan. Ich tat so, als würde ich die Auslagen eines Kühlregals einer näheren Inspektion unterziehen und blieb in der Nähe des Wagens mit den 25 Pfund Hack. Als die beiden Trolle sich anschickten ihren Zweit-Einkaufswagen mit noch mehr Waren en Gros zu füllen, und sich dazu einen Gang weiter begeben mussten, schlug ich gnadenlos zu: wieselflink huschte ich zu dem Wagen der Übeltäter und stahl mir ein Pfund Hack heraus. Dann schlenderte ich unschuldig zur Kasse, zahlte artig bei Frau Hass und ging.

Jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen, das mir fast den Appetit verdirbt. Habe ich gerade gestohlen? Ist es überhaupt stehlen, wenn ich eine noch nicht bezahlte Ware aus einem fremden Einkaufswagen klaue und dann an der Kasse bezahle? Ich habe ja nun nicht einer gebrechlichen Dame die letzte Flasche Doppelherz aus dem Wagen gefischt… Muss ich jetzt trotzdem um Karma-Punkte bangen? Kann ich ruhigen Gewissens meine Hack-Sandwiches geniessen?

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  1. Chili-Cheese-Toast? Wow! Das is schon fast edel-trash. :) Ich bin ja auch ein kleiner Hack-Fiend, aber den Stoff hol‘ ich mir doch lieber frisch vom Fleischdealer. Schmeckt besser, ist besser gehackt, hat weniger Wasser und kostet nicht viel mehr als das abgepackte Zeuch. Ich glaube, ich hätte denen auch ne Packung Hack „abgezogen“. ;)

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