„Kurzurlaub“ in Dortmund

Man kann machen was man will, als Berliner bzw. Wahlberliner fängt man zwangsläufig an andere deutsche Städte zu belächeln. Völlig zu Unrecht! So bietet Hamburg quasi alles, was auch Berlin zu bieten hat und man kann sich zwischen zwei Bars, Clubs oder Wasauchimmer die lästige Taxifahrerei sparen. Vieles ist zwar teurer als in Berlin, aber man spart am Taxi.

Berlin ist ja auch streng genommen nur ein wild zusammen gewürfelter Haufen vollig unterschiedlicher Käffer. Jedes einzelne Kaff ist angefüllt mit selbst ernannten Lokalpatrioten, die sich nur unter Schmerzen dazu bewegen lassen, mal einen anderen Stadtteil aufzusuchen. Ganz ähnlich ist es im Ruhrgebiet. Ein Haufen Städte und Käffer auf einem Haufen. Hier ist es auch nicht gerade en Vogue Dortmund und Gelsenkirchen in einem Atemzug zu nennen. Es sei denn der Satz lautet „Wäre Dortmund hässlich, hieße es Gelsenkirchen“. Eine nicht wirklich ernst zu nehmende, aber auf religonshafter Begeisterung für Fußball beruhende „Feindschaft“. Apropos: Am Wochenende spielt Dortmund gegen Schalke und St. Pauli gegen den HSV. Die dicksten Derbys der Republik an einem Wochenende!

Ich mache derzeit einen halbfreiwilligen Kurzurlaub in Dortmund. Ich habe hier gewisse Wurzeln. Ich wurde hier gezeugt. Für mich Grund genug, zwischen zwei Jobs ein paar Tage Freizeit hier zu verbringen. Ich habe mich in der Backstagewohnung der freundlichen Kneipe Subrosa mit freundlichem Wirt, freundlichen Thekenkräften und freundlichen Gästen eingemietet. Gestern habe ich schon einen recht prächtigen Abend mit, mir eigentlich unbekannten, Menschen verbringen dürfen. Und heute durfte ich lernen, dass man von DAB (wusste gar nicht, dass es das noch gibt und habe aus purem Unglauben gleich zehn davon getrunken) einen durchaus bemerkenswerten Kater bekommt. An dieser Stelle geht mein tiefer Dank an Cornel, dass ich hier wohnen darf, seine Theken-Crew und die freundlichen Gäste des Subrosa!

Heute bin ich, wacker meinen nicht existenten Orientierungssinn ignorierend, einfach mal durch Dortmund geschlendert, habe meinen Morgenkaffee am „Büdchen“ zu mir genommen, zwischen Malochern ein Gyros-Pita genossen (in Berlin sind die ja quasi ausgestorben, verdammt!), mir auf dem Hansaplatz das Treiben der Ruhrpöttler angesehen und habe über einen ordentlichen Umweg wieder ins Subrosa gefunden (da gibt’s übrigens einen Killer-Linseneintopf auf westfälische Art, den man so nur sehr selten bekommt). Natürlich unterscheidet sich Dortmund von Berlin! Aber die Unterschiede scheinen mir ziemlich egal. Die Häuser sind niedriger, die Dichte an „coolen Kneipen“ und Friseuren mit behämmerten Namen ist nicht so hoch, doch wenn man blöde und ohne Orientierung herum steht, findet sich meist jemand, der einem lautstark und herzlich weiter hilft.

Als erklärter Fan der Industriekultur, wollte ich mir heute eigentlich die Zeche Zollern ansehen. Mein katerbedingtes Mittagsschläfchen fiel allerdings etwas zu lang aus. Stattdessen kommuniziere ich lieber mit den Lieben daheim, trinke Kaffee und freue mich auf einen weiteren Abend im Subrosa. Morgen geht’s dann in die Zeche und die Kokerei.

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