Es ist Herbst!

„Der graue Meister Herbst ist da und stoppt der Seelen Flüge. Die Menschen werden sonderbar und schmeissen sich vor Lachen.“

Dieses Gedicht veröffentlichte Thomas Gsella letzten Herbst in der Titanic, nach dem sich der Tormann Enke mittels eines Zuges das Leben nahm. Ein lieber Freund und ich re-veröffentlichten das Gedicht bei Facebook mit einem Titanic-Onlinetitel, der Mario Barth zeigte nebst der Überschrift „Trendsport Suizid – Wann springt er auf den Zug auf?“ Eigentlich sind wir beide hinlänglich bekannt dafür, dass wir für einen guten Witz weder Geschmack, noch Freundschaft achten. Doch mit dem FB-Thread handelten wir uns doch eine Menge Ärger seitens unserer Freunde und Friends ein. Pietät- und geschmacklos seien wir… Nun denn, bis heute ist ausreichend Gras darüber gewachsen.

Sicherlich wäre es angemessener gewesen, diesen Beitrag mit Georg Trakls Herbstlied zu beginnen, denn eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass ich mich sehr über den Herbst freue. Und noch eigentlicher ist diese Erwähnung keinen Blogbeitrag wert, denn Wetter und Jahreszeiten sind nunmal unausweichliche Phänomene, mit denen man klar zu kommen hat ohne in großes, wortreiches Gejammer aus zu brechen. Als Facebook-Patient bin ich diesem Gejammer jedoch schonungslos ausgesetzt. Zwei Tage Regen und Temperaturen unter 10° waren für so einige Freunde und Friends schon Anlass genug…

Ich finde den Herbst super! Endlich ist der gesellschaftliche Zwang perdü, sich permanent in irgend welchen Parkanlagen auf insekten-, hundescheisse- und idiotenverseuchen Grünflächen herum lümmeln zu müssen und dort angebliche Kaltgetränke zu sich zu nehmen, deren Temperatur doch faktisch eher an die von Urin erinnert! Endlich vorbei die Zeit, wo man seine Habseligkeiten allesamt in die Hosentaschen stopfen, oder zu jedem, noch so kleinen Anlass, ein Tasche mit sich herum schleppen musste!

Im Herbst gehe ich viel lieber nach draussen. Alles, was ich dazu brauche, findet bequem in einer Jacke Platz. Die kühle Luft ist viel erfrischender als dieser überhitzte, Schweiss treibende Mist im Sommer. Und überhaupt, dieser Zwang, ständig unzureichend bekleidet und schwitzend in der Öffentlichkeit herum zu lungern, ist wie vom Herbstwind weg geblasen. Keiner muss mehr ungepflegte Männerfüße in abscheulichen Survival-Sandalen* mit ansehen. Der Anblick cellulitebefallener Fleischschenkel bleibt einem für mindestens sechs bis acht Monate erspart. Das ist doch einfach nur wunderbar!

Niemand pflaumt mich mehr an, wenn ich Tage lang vor einem pervers großen Fernseher hocke und Serien kucke, ein Buch nach dem anderen lese, oder mich mit Musik beschäftige. Gehe ich dann vor die Tür, kann ich endlich wieder meine geliebten Biker-Stiefel und meinen ebenso geliebten Parka tragen.

Erst letztes Wochenende hatte ich in charmanter Begleitung einen köstlichen Herbsttag an der Spree und im Treptower Park. Buntes Laub und kühle, frische Luft ohne Ende! Zwischendurch kehrt man auf einen Irish Coffee ein und wärmt sich auf. Im Idealfall wartet zu Hause ein kräftiger Eintopf, oder, wie in meinem Falle, der erste selbst gemachte Sauerbraten. Danach hört man sich die neuesten Mixtapes vom Don oder das neue Album von Les Hommes Sauvages (ein ganz vortrefflicher Herbst-Soundtrack!) an, kuckt ein paar Folgen Breaking Bad, liest Coma von John Niven (hervorragend übersetzt von Stefan Glietsch) oder Unfun von Matias Faldbakken (der 3. Teil der Skandinavischen Misanthropie) während man ein Heissgetränk schlürft.

Herbst ist super, Leute! Probiert es einfach mal aus und lasst euch drauf ein. Weitere Fragen zum unbeschwerten Überstehen der Herbst/Winter-Saison beantworte ich gerne in den Kommentaren.

* dafür müssen wir jetzt wieder diese abscheulichen Uggs ertragen. Jede Jahreszeit hat halt ihre ästhetischen Tücken

(Text und Bilder sind von mir und dürfen mit Nennung und Verlinkung der Quelle für nichtkommerzielle Zwecke genutzt werden. Alle Bilder wurden mit einem Mobiltelefon und der App „Vignette“ gemacht)

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