24 Stunden vorm TV – Eine verdammt späte Zusammenfassung

Vom 24. auf den 25. April 2010 haben Bloggerfreundin KK und meine Wenigkeit die irrwitzige Idee durch gezogen, 24 Stunden lang in meiner Neuköllner Wohnung zu hocken, 24 Stunden lang fernzusehen und den ganzen Mist via unserer Blogs quasi live zu kommentieren. Bisher gab es zu jeder geschauten Sendung einen einzelnen Beitrag. Da mir jedoch Sendungen mit Titeln wie „Die spannendsten DSDS-Momente aller Zeiten“ eine Leserschaft auf den Plan rufen, auf die ich herzlich verzichten kann, werden sämtliche Einzelbeiträge nun zu einem Monsterbeitrag zusammen gefasst. Nichts wurde gekürzt, verändert, oder korrigiert. Alles steht hier so, wie es seinerzeit in, mitunter fragwürdigem Zustand, geschrieben wurde. Lediglich die Bildchen und Videos habe ich raus geschmissen:


Gleich, liebe Leser, wird’s spannend, langweilig, lustig und anstrengend. KK ist eigens aus der Stadt ohne Eigenschaften angereist, um vierundzwanzig Stunden mit mir in die Röhre zu kucken. Ganz recht! Ab 11.00 Uhr hängen wir heute ununterbrochen vor der Glotze und werden unseren Senf dazu quasi live bloggen.

Tiefkühlpizza und Wachmachgetränke sind in ausreichendem Maße vorhanden, die Sessel sind vorgewärmt, nur an den, wahrscheinlich bitter notwendigen, Betäubungsmitteln mangelt es.
Ihr könnt unsere garstigen Kommentare, knallharten Analysen und unsere zu Worte gebrachte Langeweile hier in meinem Blog, und natürlich auch drüben in KKs Blog verfolgen.Das wird Samstagsbissonntags-Unterhaltung at it’s best!

11.00 – 11.55 SPRECHSTUNDE IM MUTTERLEIB (Arte)

In 13 Minuten kommt auf Arte „Sprechstunde im Mutterleib“. Die erste Sendung unseres 24 Stunden TV-Marathons, auf die wir uns einigen konnten. Mein Vorschlag, mit einem seichten Aufreger á la „Bully und Rick“ zu beginnen wurde mit einem Blick abgetan…
Jetzt sind’s noch 11 Minuten und schon taucht das erste Problem auf: Das Berliner Kabelnetz sendet erst ab 16.00 Uhr Arte, vorher gibts auf dem Sendeplatz einen Info-Sender, dessen Informationen mich kaum interessieren. Wir sind gezwungen den Zattoo-Player zu verwenden. Glücklicherweise habe ich noch einen alten PC, genannt der Porno Download-Esel, welcher nun als TV-Gerät dient.
„Und jetzt geht es um Leben und Tod eines ungebornen Kindes“. Mit diesen Worten beginnt Frau Arte ihre Sendung. Na toll… und das vorm Frühstück. Ich bin nicht schwanger und vom Schwängern an sich, nehme ich bewusst Abstand. Bereits nach 5 Minuten saust mein Interesse in Richtung Null. Hinzu kommt dieser üblich bedächtige Arte-Ton der Off-Sprecher. Sollte ich doch lieber wieder ins Bett gehen? Ein 24-Stunden-Projekt nach 5 Minuten knicken? Das sähe mir ähnlich. Den Gefallen werde ich mir/euch jedoch nicht tun. Gerade entdecke ich selbst gestrickte Socken an den Füßen der Blog-Partnerin KK. Sie hat sie jedoch nicht selbst gestrickt (was mich auch ein wenig verstört hätte). Sie hat sie geklaut und kann sich nicht erinnern wo und wem. Fürs erste bin ich beruhigt. Die bierernsten Gesichter behandelnder Kinderärzte, ihre Erkenntnis, dass der Fötus ein unfreiwilliger und schwer zu erreichender Patient ist, und die besorgten Elterngesichter machen mir den Einstieg in 24 Stunden vor der Röhre nicht gerade leicht. Und dann noch dieses getragene Moll-Piano, welches die Ernsthaftigkeit des Themas unterstreichen soll… Hier jetzt moralabstinente Witze zu reissen, fällt sogar mir schwer.
Ich suche schon nach Ablenkung. Bei der Zusammenstellung eines kleinen Frühstucks-Buffets stelle ich entsetzt fest, dass ich vergaß Butter zu kaufen.  Toast mit Klotzkäse schmeckt jedoch auch mit Remoulade recht gut. Einer der Ärzte sieht aus wie eine Mischung aus dem jungen Malcolm McLaren und Dr. Perry Cox aus „Scrubs“. Seine braunen Hosen werden von Hosenträgern knapp unter den Nippeln gehalten. Wäre das jetzt in schwarzweiss, würde das ein wenig nach Zwanzigerjahre-Slapstick-Comedy aussehen. Doch das Thema ist mir noch immer zu öde ernst für Witze. KK surft derweil die RTL 2-Homepage an und äussert, fachlich kompetent, „Schlampen sind immer gut!“ Ganz Unrecht hat sie nicht. Wir beschliessen, uns auf eben jenem Sender den Rest einer „Teenie-Sexfantasy“ (TV-Spielfilm, Daumen waagerecht wegen spekulativ-fiktiver Elemente) in der der Protagonist nach jedem Orgasmus das Geschlecht wechselt, anzusehen. Vorerst bleiben wir jedoch wacker auf Arte. Die zehn Minuten werden wohl noch gehen… irgendwie.

11.00 – 12.40 HEUTE ER, MORGEN SIE (RTL2)

„Du bist an die Bettpfosten gefesselt und ich möchte jede Kurve deines Körpers küssen!“. Soeben haben wir uns in die Hölle Privatfernsehen begeben. Auf RTL2 läuft bereits die die „Teenie-Sexfantsy“ Heute Er, morgen Sie (Zerophilia). Ein Sexfilmchen um 11.00 Uhr!? Na, das kann ja was ergeben! Plot dieses Filmchens ist, dass der Protagonist nach jedem Orgasmus das Geschlecht wechselt. Cinema.de urteilt: Provokative Idee, lahm umgesetzt.
Natürlich ist das Ding lahm! Erstens dürfte es bis zur Unkenntlichkeit gekürzt sein, da für Teenies gemacht, die sich „echten“ Sex eh auf Youporn reinpfeifen. Zweitens, kuckt mal auf die Uhr! Wir sehen Problemgespräche zwischen Heranwachsenden, testosteronschwangere Rotzlöffel beim Raufen und ein paar altkluge Erwachsene. Ich überlege, ob ich schon damit anfangen darf, mir Drogen herbei zu wünschen. Natürlich darf ich wünschen! Da die meisten Drogen jedoch illegal sind und doof machen, bleibt’s bei Kaffee und jeder menge Nikotin.
Gerade durften wir Zeugen der thematisierten Geschlechtsverwandlung unter einer Dusche werden. Nahaufnahmen von Mädchenbrüsten, Nahaufnahmen von Mädchenbrüsten, Nahaufnahmen von Mädchenbrüsten, die zu Jungenbrüsten mit erster Behaarung mutieren. Nipple-Morphing at it’s best! Die Musik dazu ist furchtbar!
Ah! Ein Teenager, der irgendwie an den jungen Ferris MC erinnert, hockt vor einem Grabstein und stellt nach kurzem Monolg fest, dass er zerophil ist. Als er einem Freund diese Erkenntnis gesteht, wird er einer knallharten Gegenfrage ausgestzt: „Bist du völlig im Arsch verbohrt???“ Das nenne ich mal investigatives Nachfragen!
Wikipedia mit der Frage nach Zerophilie zu belästigen ist übrigens Überflüssig. Dieses Phänomen ist erstunken und erlogen.
Nun wird der arme Kerl auch noch von einer zerophilen Ärztin ans Bett gefesselt und gevögelt, angeblich um die lästige Geschlechtswechselei los zu werden… Ist das jetzt absurd, oder nur behämmert?
Für diese Uhrzeit wird in diesem Machwerk erstaunlich viel gevögelt. Natürlich sind sämtliche Fleischbilder durch Symbolbilder mit Gestöhn ersetzt. Flackernde Kerzen, wackelnde Weingläser… meistens ist einer der Fickteilnehmer ans Bett gefesselt. Scheinbar unabdingbar für Zerophilen-Sex. Ich freue mich derweil auf den nächsten Werbeblock. Der Handlungsfaden ist uns mittlerweile beiden völlig entglitten.
Fazit: Ein echter Scheissfilm, der uns beide mit einem „Äh?“ zurück lässt! Hat uns der Film überfordert?Doch immer noch amüsanter als „Sprechstunde im Mutterleib“. Da haben wir uns mal glatt vom Titel auf’s Glatteis führen lassen.

12.40 – 14.45 LOVERBOY – LIEBE AUF BESTELLUNG (RTL2)

Yea! Achtzigerjahre-Frisuren! „Loverboy“ könnte ein Spaß werden. Zumindest optisch…
Moviepilot weiss folgendes zum Plot zu berichten:
„Randy finanziert sich sein Studium als Pizzalieferant. Einsame Damen bestellen vor allem die Pizza mit Anchovis. Denn dann bietet Randy seine Dienste als ‚Loverboy‘ an. Bald kann er sich vor reichen Kundinnen nicht mehr retten. Doch als ausgerechnet seine Mutter eine Pizza mit Anchovis bestellt, hat er ein Problem.
Randy liefert seine Pizza übrigens in einem sonderbaren Vehikel mit Sombrero aus, fährt wie ein Brandenburger Emsländer Idiot und trägt dazu einen angeklebten Schnauzbart. Wie jetzt Pizza und Mexikaner-Style zusammen gehen sollen, erschliesst sich mir hoffentlich später. KK vermutet, dass die Pizza-Typen so aussehen, damit sie besser zu den Kacheln in der Pizzeria passen. Ich bin mir noch unsicher. Derweil überrascht KK mich damit, dass sie nahezu jeden Schauspieler kennt. In einem Film, der Samstagvormittags auf RTL2 läuft. Mich gruselt ein wenig. Sollte ich mir den Teufel in Weibsgestalt in meine Kemenate geholt haben?
Randy eilt nun von reiferer Dame zu reiferer Dame und beglückt sie gleich reihenweise. Anschliessend ist er immer überglücklich, hüpft herum und springt sinnfrei in den nächstbesten Pool. Wieso nur, ist der Begriff MILF erst durch „American Pie“ entstanden? Und schon liefert unser Film zwar nicht die erwartete, doch eine andere, aufschlussreiche Antwort. Randy beglückt die Damen aus schnöden Mammon-Gründen, nicht um sein Teenie-Triebhaftigkeit zu befriedigen. Eine mir bekannte Dame Ende 30, mit Neigung zu deutlich jüngeren Männern sagte einmal: „Die wissen zwar nicht was sie tun, doch dafür tun sie’s die ganze Nacht!“.
Randys Vater wird von dem Gedanken gequält, sein Sprößling sei schwul. Ein sicheres Zeichen war für ihn ein Freund Randys der ihn, stark nach Rasierwasser riechend, abholte. Sollte sich da ein komplizierter, zweiter Handlungsstrang eröffnen? Wird der besorgte Vater noch herausfinden, was für einen prächtigen Stecher er da in die Beverly-Hills-Welt setzte? Mehr nach der Werbung.
Während der Werbung informiert sich KK über Teenager-Sex im Allgemeinen und Besonderen via Dr. Sommer (powered by o.b.). Ich will mich nicht an meinen Teenager-Sex erinnern und setze mein Frühstück fort. Es gibt Finnbrot (getoastet) mit rotem Pesto und Parmesan.
Während Randy nun, die damals recht hübsche, Kirsty Alley beglücken soll, stelle ich mir zum ersten Mal die Sinnfrage: Was soll das alles hier? Ich kucke Fernsehen eigentlich immer nur zum Einschlafen. Gezielt Fernsehen oder gar Zapping sind mir seit ein paar Jahren völlig egal. Ich bin ein Serien-Junkie. Und Serien sehe ich mir an, wann ich es will und ohne Werbeunterbrechung. Am liebsten en Bloc. Große Geschichten passen in eine moderne Serie. Die Charaktere und auch die Geschichte haben Zeit sich zu entwickeln und verändern.

Randy tanzt Tango mit Kirstie und beschläft weiterhin reihenweise Beverly-Hills-Hausfrauen. Langsam beschleicht mich der Verdacht, dass Randy und Kirstie sich ernsthaft in einander verlieben werden. Au weia! Wenn das auffliegt!
Fast erwischt! Ein reicher Mann in Osternest-Grün, der seine asiatische Gattin offenbar nicht mehr zu befriedigen vermag, betritt zu ungünstiger Zeit seine Villa. Ein hektisches Gerenne entsteht, bei dem gleich mehrere Spielzeugroboter eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Natürlich kann Randy entkommen und der schäumende Hahnrei vermutet den falschen Nebenbuhler. Lustig finde ich das nicht! Aber diese Klamotten! Schulterpolster, Vokuhilas und grelle Farben, wohin das Auge auch sieht. Die Erinnerung, dass ich seinerzeit genau so rumgerannt bin, kann ich bis jetzt erfolgreich verdrängen.
Fünfunddreissig Minuten vor Schluss. Wir leiden, doch pünktlich kommen wir zum Twist des Films: Randys Mutter bestellt eben jene Fick-Pizza in ein Motel. Randy konnte sich jedoch heraus winden, indem er einen Kumpel schickte. Bäh! Ein wenig Inzest hätte der Geschichte ganz gut getan.
Mittlerweile hat sich ein Grüppchen betrogener Ehemänner zusammen gefunden. Gemeinsam überprüfen sie die Kredikarten-Abrechnungen der untreuen Gattinen. Ausgerechnet der brunzdumme Bodybuilder in der Runde findet die 200$-Rechnungen des Pizzadienstes… Nun kommt Randy zugute, dass sein Vater Homosexualität nicht nur vermutet, sondern diese Vermutung gleich in ganz Beverly Hills verbreitet hat. Noch 25 Minuten. Wir erholen uns vor der Werbung und ich frage mich, ob ich vielleicht irgend was zum Kiffen im Haus habe.
Mittlerweile hat der Club der Betrogenen Ehemänner den wahren Übeltäter erwischt. Ein Heiden-Chaos entsteht, ein Konzerflügel fällt auf einen Polizeiwagen und Randy erobert sein wahre Liebe.
Mit Teenie-Komödien sind wir nun fertig. Aber sowas von! Via Facebook trudeln nun die ersten TV-Tips ein. Unter anderem beginnend mit den Worten „Falls ihr nicht nur Trash kucken wollt…“
We will see.

14.45 – 15.00 TÄGLICH JAUCHE MÜLL & RATTEN (Vox)

Eine völlig überfüssige Doku darf in einem solchen TV-Marathon einfach nicht fehlen. Mit einem 30-Kilo-Rüssel muss Sören eine Verstopfung im Abwasser-Rohr beseitigen. „Saugen!!!“ lautet der gebrüllte Befehl seines Chefs. Sören findet seinen Job anstrengend, aber er macht ihm Spaß. Er meint, wenn er es nicht macht, macht es niemand. Das Geunke seines Chefs („Du weisst, was das braune da ist?!?“) stört ihn nicht. Sören ist sich sicher, er hat sich für den richtigen Beruf entschieden!
Na bitte! Die Jugend weiss also doch, was sie will. Die Renten sind sicher!
Und wir glauben, dass das TV-Programm lügt. Jäh taucht ein schmieriger Immobilien-Makler aus Leidenschaft auf dem Bildschirm auf. Er will einem Handball-Profi eine Penthouse-Wohnung in Berlin-Mitte vermitteln. Der Off-Sprecher weiss, dass Mitte tatsächlich in der Mitte Berlins liegt und ein „angesagter“ Stadtteil ist. Noch mehr solcher Erkenntnisse, und ich kriege explosiven Durchfall!
Explosiv geht es auch mit dem unerwarteten „Mieten, kaufen, wohnen“ weiter. Die Sendung jagt durch die Maklerschaft der Republik und ich komme mit dem Schreiben kaum noch mit
Schmierlappen zeigen Schmierlappen Wohnungen mit abscheulichen Bädern. Nichts wie weg hier!

15.00 – 15.30 SCRUBS (Pro7)

Ich mag Scrubs. Daher fällt es mir nun etwas schwer zu schreiben. Ich bin nun mal ein Miesepeter, wie man sagt. Deswegen mag ich auch Scrubs. Ein feiner Reigen ausgewählter Misanthropen geben sich hier das Skalpell in die Hand. Oberarzt Perry Cox, der Hausmeister ohne Namen oder Chefarzt Dr. Kelso… Alle sind Arschlöcher! Ich liebe sie alle!
Scrubs ist eine Serie über echte Männerfreundschaft. „Man-Love in a manly Way“ wie J.D. und Turk in einer Folge singen. Quasi jeder Charakter in dieser Serie hat derbe einen an der Waffel, doch allesamt sind durchweg sympathisch.
Scrubs ist eine Serie im alten Sinne. Man kann eine Folge isoliert betrachten, ohne dass einem großartig etwas entgeht. Eigentlich so gar nicht meine Art Serie. Ich will große, lange Geschichten. Trotzdem bin ich von Anfang an treuer Patient im Sacred-Heart-Hospital. Kein Ende in Sicht.
Scrubs glänzt auch hin und wieder mit besonderen Folgen. Ob nun die Muppets zu Gast sind, eine Folge komplett als Musical gesungen wird, die Macher lassen sich immer was besonderes einfallen und ich werde wohl noch lange dort in Behandlung sein.

15.30 – 16.15 HOCHZEITSFIEBER (ZDF)
Der christdemokratisch regierte Rentner-Sender ZDF biedert sich an ein juvenil-dämliches Publikum an und bringt nun auch Reality-Soaps, in denen kamerageile Dialektsprecher ihr unbedeutendes Leben in die Öffentlichkeit kehren. Gerade Hochzeiten interessieren, ausser direkt beteiligten Opfern, nun wirklich kein Schwein. Auch die Sitte von Hochzeitsgesellschaften, nach vollzogener Trauung, einen hupenden Autokorso zu bilden um den Rest der Insassen ihrer Stadt mit ihrer vollständig uninteressanten Heiraterei zu behelligen, ist mir zuwider. Einzig meine gute Erziehung, ein gerüttelt Maß an Kultur und das Nichtvorhanden sein fauler Tomaten in meinem Straßengepäck verhindern, dass eben diese Tomaten auf die Windschutzscheibe des Brautwagens niedersausen.
Ich habe überhaupt nichts gegen die Institution Ehe. Im Gegenteil. Ich finde, einander das Jawort zu geben, ist die größte Liebesbekundung, die ich mir vorstellen kann. Bis ich alles versaute, war auch ich durchaus bereit zu heiraten. Seine Ehe jedoch, durch Huperei, Reality-TV, oder sonst was in eine anonyme Öffentlichkeit, die sich nicht die Wurst interessiert, zu zerren ist mir zuwider. Für mich geht da jegliche Romanze flöten.
Hier muss ich nun eine Hochzeit in einer Sauna mit ansehen. Wieso nicht gleich im Puff, oder im Streichelzoo? Da stehen sie nun feuchtfüßig in Badelatschen im hübschen Fliesen-Ambiente einer plastikbestuhlten Sauna. Draußen tummeln sich nackte, fremde Menschen mit Hängeärschen und Biertitten, die sich nicht einmal bemühen, ihre klebrigen Klöten zu verdecken. Unter den Gästen sitzt ein dicker Mann in ausgewaschenem T-Shirt, einer grell-bunten Bermuda-Shorts und Adiletten. Die ganze Zeremonie über, flegelt er sich im weissen Plastikstuhl und kratzt sich ausgiebig seine ungepflegten Füße. Der Bräutigam stammelt eine Hochzeitsrede in drei Sätzen herunter und die ganze Feier findet auch noch ohne Alkohol statt. Der Off-Sprecher rechnet auch nicht mit einem Spanferkel. Stattdessen findet der Koch auch noch Zeit, ein Liedchen zu singen. Das war dann auch alles an Musik. Kann man eigentlich noch mehr falsch machen? Auf den Schreck beginne ich mit dem Alkoholkonsum. Auch KK greift schon zum Glas. Prost!
Einer der interviewten Gäste verbrabbelte sich und sprach von einer „Trauerfeier“. Dem ist nichts hinzu zu fügen.

16.15 – 17.00 LAFER! LICHTER! LECKER! (ZDF)

Umschalten unnötig. Nach der fiesen Hochzeit in einer Sauna können wir im ZDF bleiben. Johann Lafer kocht mit Andy Borg und Horst „Mehr Butter!“ Lichter schmeisst Julia Westlake mehr Butter ins Essen. Beide Köche sind mir gleichzeitig zuwider und sehr sympathisch. Als Anhänger guten Essens kann ich nicht anders, als Leuten, die gut kochen können, positiv  zu begegnen.

KK hingegen, reihert sich neben mir wund. Kann ich wohl verstehen. Der Anblick des, von zu viel Frisur umrahmten, Fleischgesichtes des Andy Borg, verleidet auch mir die Lust zu essen. Ich greife stattdessen zum Glas. Was sehen wir da eigentlich? Eine Aneinanderreihung schlimmster Kalauer? Die Zurschaustellung der Unfähigkeit der Gäste? Applaus für Zahnstocher???
Erstaunlich ist, mit welchem Aufwand das ZDF dieses Gerühre im Netz verwurstet. Man ist sich nicht zu blöde, den Zuschauer, via Crawler am Bildrand, aufzufordern, seine „lustigsten Küchenfotos“ einzuschicken. Der Link zu den lustigen Küchenfotos ist zum Glück nicht zu finden.
Andy Borg versteht die Befehle des schnauzbärtigen Küchenherren aus Österreich nicht und verschandelt ein herrliches Stück Thunfisch. Frau Westlake wird derweil von dem rheinländischen Butteranbeter behandelt wie eine Dreijährige, was sie aber nicht wirklich zu stören scheint.
Seit sechs Stunden hängen wir nun vorm Fernseher. Am liebsten würde ich das Ding ausschalten, Bier besorgen und in den Park gehen. Aber angedroht ist angedroht und wird nun durchgezogen! Fernsehen kann so irrsinnig langweilig sein. Jetzt jedoch, hocken die beiden Starköche mit ihren Gästen am Tisch, resümieren ihre Sendung und ernten Applaus. Wir gähnen und schalten um.

17.00 – 17.30 NIEDRIG UND KUHNT (Sat1)

Mordfall in der Rodeo-Szene? Wir schlagen uns nun mit steif geblubberten Texten und üblen Leihendarstellern herum. Ich kenne jede Menge Schauspieler, die kurz vorm Jobcenter stehen. Wieso werden permanent talentfreie Hornochsen vor die Kamera gezerrt? Sind die billiger? Enthusiastischer? Wirkt das realistischer?
Nun gut. Die Darsteller der Ermittler Niedrig und Kuhnt sind echte Polizisten, die ihren echten Job unterbrechen, um ihren Dienst im TV zu versehen. Das macht sie nicht unbedingt talentierter. Auch die beiden reden doch arg steif daher. Authentizität ist hier wohl das Stichwort. Klappt aber nicht, Sat1!
Was da in der Kiste passiert, interessiert mich nicht die Bohne. Bin gerade vielmehr neidisch auf begeistert von KKs Talent, gleichzeitig in die Röhre zu kucken und zu schreiben. Vermutlich sind ihre Texte auch viel länger und inhaltsreicher als meine. Sie kuckt, schreibt und recherchiert ohne Unterlass. Multitasking, das meiner Unfähigkeit die Tränen in die Augen treibt.
Das Geschrei im TV fängt an, mich zu nerven. Bin mal gespannt, wie das in der Nacht wird, wenn das Niveau in Abgründe sinkt, die ich, zumindest nüchtern, niemals betreten würde. Muss ich mir für die Nacht einen Rausch zulegen und die Fähigkeit zu schreiben freiwillig einschränken? Ich werde das mal spontan entscheiden. Im Augenblick „erhole“ ich mich vor einem Werbeblock. Wer hätte das gedacht?!
Nun haben wir gelernt, dass man Pferde nicht misshandeln darf und dass man Homosexualität aus niemandem heraus prügeln kann. Wer hätte das gedacht!?

17.30 – 17.45 BRISANT (ARD)

Prinzessin Madeleine und Prinz Jonas von Schweden haben sich getrennt. Ich kannte die beiden Blaublüter nicht einmal. Nun hat Prinz Jonas sich in die blauen Augen einer norwegischen Sportlerin verliebt. Nur in die Augen??? Alter! Gründe gibt’s!
Da ist doch schon schärfer, dass David Hasslehoff seine Biographie veröffentlicht hat, nüchtern in die Kameras grinst und heute Abend im Musikantenstadl auftritt. Im Interview blubbert er „ganz entspannt“ davon, dass das Leben ein ewiges auf und ab ist, und dass er sich über das siebenfache Schwanzwedeln seiner Hunde freut.
Bei der Lola-Verleihung wird geschluchzt und gesungen während Frau Schöneberger mit ihrem kindgefüllten Bauch prahlt. Bernd Eichinger ist in Begleitung einer krassgesichtigen Blondine und macht auf cool. Der Sprecher resümiert, dass man mit BH auf dem roten Teppich out ist. Der beste Film ist „Das weisse Band“. Die beste Hauptdarstellerin hat früher Pornos gedreht.

Al Pacino wird heute 70 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch, du coole Sau! Da fällt mir ein… ich könnte mal wieder „Der Pate“ sehen. Für seine Michael-Corleone-Rolle sackte er dereinst seine erste Oscar-Nominierung ab.
Die Werbung suggeriert ohne Scham, dass Scheidentrockenheit ein echtes Problem ist. Ein Thema, zu dem ich mich, ob meiner  Scheidentrockenheitsunkenntnis, nicht weiter äussern werde, OK?
Klatschsendungen zu sehen, das ist wie einen Burger von einer dieser Burger-Ketten zu essen: Ein kurzes Vergnügen und hinterher ist einem schlecht. Der Informationsgehalt geht gen Null, der Zuschauer wird nicht gefordert. Danke, ARD!

18.00 – 19.10 NEWSTIME / DIE SIMPSONS (Pro7)

Atempause! Das Ende von „Galaxy Quest“, einem scheiss Film, läuft gerade. Wir freuen uns auf die „Newstime“ mit einer bewegenden Trauerfeier und „Die Simpsons“!
In der Newstime nimmt das Trio Infernale Merkel / zu Guttenberg / Westerwelle schleimschmierend an einer „bewegenden Trauerfeier“ für getötete Bundeswehrsoldaten teil. Scheinbetroffene Gesichter während eine 120 Kilometer lange Menschenkette grinsend, und zur Verärgerung der Autofahrer ein klares „Nein danke!“ zur Atomkraft äussert. Dass so etwas im Jahre zwanzigzehn noch immer nötig ist, verärgert mich.
Christiane Gerboth achtet darauf, dass ihr Zähne sich nicht schon wieder verselbstständigen. Das macht sie recht souverän. Nach frustrierenden Kältewochen blitzt das scheinwerferimitierte Sonnenlicht auf ihrem makellosen Gebiss.

Was nun folgt, haben wir, ausser den Bundesliga-Ergebnissen, schon längst bei brisant gesehen. Ich überlege, eine Flasche Wein, mit dem hübschen Namen „Messias“ zu öffnen und sehe mir an, wie Sibel Kekili spontan die Lola-Bühne stürmt, um Christoph Waltz zu küssen.
18.10 Uhr. Endlich! Die Simpsons! Da gibt es nicht allzu viel zu mosern. Wir können uns einen Augenblick zurück lehnen und entspannen. Laut Krusty dem Clown zählen zu Kranken Kindern auch Nutten mit Erkältung. Hätte ich so auch nicht gedacht. Da soll mal einer sagen, Fernsehen mache dumm. Dumm ist nur, dass am ersten sommerlichen Wochenende eine Weihnachtsfolge ausgestrahlt wird. Wer sitzt denn da in der Redaktion? Ein Zufallsgenerator? Halloween-Folgen gibt es auch das ganze Jahr über, nur an Halloween wartet man vergeblich.Früher als es die Simpsons noch nicht gab, haben wir die Peanuts gesehen. Da gabs zumindest die Folge mit dem Oster-Beagle, gequetscht zwischen Sandalen-Filme, an Ostern. Das allerdings, liegt in einer fernen Vergangenheit ohne Relevanz.

Ich mag es ja, wenn in internationalen Erfolgsserien auch mal die Deutsche Kultur ein wenig gefeatured wird. Was ich bis vor kurzem auch nicht wusste ist, dass Deutschland als Land der Dichter und Denker nur in Deutschland bekannt ist. Erzählt mal einem Engländer von „Germany as the land of poets and thinkers“, ist der Blick, den man dafür erntet, ist einfach nur priceless! Believe me.
Die zweite Folge Simpsons beginnt: „Marge gegen Singles, Senioren, kinderlose Paare, Teenager und Schwule“. Wenn das nicht vielversprechend klingt…Natürlich wird das wieder eine prima Folge. Allein die Tatsache, dass ich seit 20 Jahren die Simpsons kucke, ist daran schuld, dass ich mich manchmal davon gelangweilt fühle. Popkultur-Langeweile könnte man das nennen. Seit zwanzig Jahren kriegen wir eine größtenteils wirklich gute, bissige, gesellschaftskritische und obendrein noch lustige Serie geboten. Trotzdem bin, zumindest ich, so arrogant, mich davon langweilen zu lassen. Muss ich mich jetzt selber ankotzen, oder reichen diese paar selbstreflektiven Zeilen? Natürlich kann ich auch ganz einfach die Schuld an der Langweile, der kruden Sendepolitik von Pro7 in die Schuhe schieben. Die ist nun wirklich haarsträubend. Nimmt man sich mal vor, die Simpsons im TV zu sehen, bekommt man mit großer Wahrscheinlichkeit eine Wiederholung zu sehen. Ich kucke trotzdem manchmal weiter.

19.00 – 20.00 BIG BROTHER (RTL2)

„Arsch, Schritt und Brüste sind tabu!“ sagt eine Sexbombe im Bikini zu einem tätowierten Fummler bei Big Brother. „Verfickte Scheisse! Stell dich nicht so an, dumme Ziege!“ mag er nun denken, gibt sich jedoch einsichtig.

Was ist denn mit der Stimme vom Big Brother los? Hat Darth Vader jetzt den Job übernommen? Seit der ersten Staffel hab ich mir diesen „König des Umterschichten-Fernsehens“ nicht mehr angesehen, bin aber bekennender Dschungel-Camp-Fan. Damals war ich schwer beeindruckt, als ich mein Drittliga-Stadion betrat und 10.00 Menschen, völlig fussballfern, skandierten „Manu raus!“. Man stelle sich nun vor, dass das damals in jedem Stadion der dritten, zweiten und ersten Liga skandiert wurde. Ich bin noch immer erstaunt, dass ein holländischer TV-Käse derartige Kreise zieht. „Wetten dass..?“ ist die größte Show Europas. Hat jemals die Besatzung eines Stadions unisono „Gottschalk! Gottschalk!“ skandiert? Nö. Das schafften nur Jürgen, Zlatko und Manu!
Nun merkt man, dass wir uns im Abendprogramm befinden. Die Tittenhäufigkeit erhöht sich doch merklich. Gerade bekamen die Insassen mittgeteilt, dass sie noch zwei Monate länger inhaftiert sein werden. Die, durchweg spärlich bekleidetete, Brut im Container ist überglücklich und darf heute eine Party feiern. Ein mords Geschrei tönt da aus den höhensonnengegerbten Körpern der inhaftierten Menschen ohne Scham. Wir freuen uns natürlich auch, dass wir nun Zeugen einer wohl besonderen BB-Folge werden.
Wie nicht anders zu erwarten, wird uns bei den Bildern der Party schlecht. Der eingangs erwähnte Fummler , Klau sein Name, Erotik-Darsteller sein Beruf, trägt nun ein schlechtes Ed-Hardy-Plagiat und reibt sich an jedem Frauenkörper, der nicht sofort zurück zuckt. „Kleinstadt-Gazelle Sabrina“ wagt sich in Ed Hardy-Klausens Höhle. Im Pool macht der „niedlich-knuddelige“ Daniel mit gleich zwei Grazien herum. Ein weiterer läufiger Hund lauert am Rand des Pools.
Klaus firmiert im wahren Leben als Erotik-Darsteller „Mike the Machine“ und hat sich auch schon bei DSDS versucht. Meine höchst invetigavien Nachforschungen bei Youporn führten leider ins Leere.Klaus über Klaus: „Ich kann immer!“, „Ich bin eine richtig geile Sau!“, „Mir ist nie etwas peinlich!“  Zumindest die letzte Aussage glaube ich gerne.

Man sollte nun meinen, lediglich das bildungsferne Prekariat würde sich diesen Menschenzoo ansehen. Denkste, Puppe! Gut die Hälfte der BB-Zuschauer hat Abitur oder gar einen Hochschulabschluss. Ich kenne einen, den ich sehr schätze, einen guten Freund, der kuckt das auch. Ich kann’s partout nicht verstehen, bemühe mich jedoch weiterhin um Toleranz.
Nach den RTL2-Nachrichten schalten wir rüber zu RTL und gönnen uns dort „Die 25 spannendsten DSDS-Momente aller Zeiten“. KK tippt noch, ich starre in die Luft, der Wein ist halbleer noch halbvoll.

Zusatz: Reality-TV zieht neue Kreise. Heute demonstrierten doch allen Ernstes hunderte Menschen auf dem Alexanderplatz in Berlin, gegen den Rauswurf eines gewissen Menowin bei DSDS. Ein Mercedes-Testfahrer löste derweil, während einer öffentlichen Testfahrt, ein Blutvergießen aus.

20.15 – 22.30 DIE 25 SPANNENDSTEN DSDS-MOMENTE ALLER ZEITEN (RTL), MUSIKANTENSTADL (ZDF)

Bei KK treten nun erste Verzerrungen im Raum-Zeit-Kontinuum auf, trotzdem kucken wir tapfer weiter.Ausser Küblböck und dieser anderen Trümmer-Tunte Lorenzo, hab ich auch von diesem Mist nahezu nichts mitgekriegt. Jetzt gibt’s die „spannendsten Momente“ in meinem Lieblings-Hass-Format: C- bis E-Prominente ohne Ahnung, aber mit Meinung, werden in Szenen eingeblendet und dürfen nun über das Castingshow-Elend eben diese Meinung kund tun. Bisher kenne ich natürlich keine Sau, was mich ein bisschen stolz macht.
Hier wird dieses Format auf eine neue Spitze getrieben. Hier lungern auch ehemalige Kandidaten vor der Kamera herum und dürfen, nach der ganzen Singerei, nun auch noch sprechen. Bereits nach 10 Minuten würge ich zum ersten Mal das Bedürfnis hoch, zum Musikantenstadl zu schalten. Dort gibts dann auch wieder Andy Borg.
Küblböck darf auch seine Meinung kund tun. Er wirkt überraschend geerdet, aufgeräumt, normal und kreischt nicht herum. Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Streng genommen ist Küblböck mir recht sympathisch. Nach dem Gurkenlaster-Incident kreischt er gar nicht mehr, singt Jazz und hat eine kleine Firma.
Ich könnte mich jetzt Stunden lang über die Kreaturen auslassen, die da über den Bildschirm flimmern. Das würde allerdings den Rahmen, auch dieses größeren Blog-Projekts sprengen. Ich kann nur sagen, dass ich hier Achterbahn fahre zwischen Fremdschämen, Kopfschütteln, unterdrücktem Brechreiz aber auch großen Lachanfällen.
Werbung. Wir schalten um zum Musikantenstadl, in dem Andy Borg Wünsche erfüllt, schmalzt und schleimt. Dabei hockt er in einem rustikal-rustikalen Ambiente, das man nur als sehr rustikal beschreiben kann, und kündigt singende Greise in konservativ-greller Gewandung an. Was tut eigentlich mehr weh, die Kanller bei DSDS, die Stadl-Mutanten, oder die Tatsache, dass KK mitlerweile Andy-Borg-Videos auf Youtube schaut? Im Stadl hockt Mitklatsch-Deutschland und verhält sich ekstatisch wie ein Liter Morphium. KK erweist sich nun als aufmerksamer Fuchs. Ihr fiel gerade auf, dass der Borg-Andy, wie sie ihn mittlerweile liebevoll nennt, im Stadl einen deutlich stärkeren Dialekt als bei den beiden Küchen-Trollen Lafer und Lichter spricht. Ich trolle mich mal in die Küche und suche nach mehr Alkohol.
Zurück zu DSDS. Dort wird mit Erotik und Sex performt. Alkohol ist noch vorhanden, will jedoch gemixt werden. Zum Mixen ist nichts hier, und ich nutze diesen Mangel, gehe Luft atmen, die ich nicht vollgequalmt habe und besorge koffeinhaltiges Mix-Material. Erfolgreich konnte ich sechs Flaschen Club-Mate im Spätkauf meines Vertrauens erwerben. Nebenbei konnte ich kühle, frische Abendluft atmen und feststellen, dass es draussen, in der realen Welt, viel schöner ist. Ich bin jedoch tapfer und ertrage im RTL-Werbeblock den Schleimbeutel Sebastian Gomez und Borg-Andys Mutantenstadl. Mitklatsch-Deutschland ist nun bei 60 BpM angekommen und wiegt sich in sedierter Schunkelei. Borg-Andy ist sich nicht zu blöde, den singenden Schlafsack zu fragen „Anstrengend, gell?“. Ich muss nun dringend den erworbenen Club-Mate mit Vodka versetzen, sonst drehe ich hier durch.Jetzt taucht auch noch Al Bano auf. Allerdings ohne Romina Power. Ich bin überrascht. Bildeten die beiden doch damals das beliebte Duo „Al Banien & Rumänien Power“. KK gähnt und klärt mich auf, dass die beiden seit 20 Jahren getrennt sind. Ich gehe kurz ins Bad, weine ein paar Tränen, blase mein Ego wieder auf und setze meine Arbeit (auch ich nenne es so) fort.
Bei DSDS hat Bohlen-Didi eine gefühlvoll singende „Krümel-Zicke“ in der Wohlwoll-Mangel. Ach… er kann doch soo nett sein! Ich kann auch anders, als nett sein. Daher folgende Zwischenfrage: Wer hat eigentlich der ehemaligen Pilotin/Quiz-Petsche Sonja Zietlow diesen indisch wirkenden Hippie-Glitzer-Fummel verpasst? Ist es am Ende Konzept dieser Show, in jeder Hinsicht Schmerz zu verbreiten? Zu allem Überfluss singt jetzt auch noch ein Schleimsack, der nach seinem Auftritt auf Bohlen-Didi zu trippelt und sagt „Ich muss dir mal kuscheln!“.
Alexander Klaws, Deutschlands Superstar #1 (chronologisch betrachtet) taucht auf dem Bildschirm auf. Bis zu seinem World-Idol-Desater (Platz 9 von 11) hat er tatsächlich über 2 Millionen Platten verkauft. Ich Unterstelle diesem Erfolg mal einen gewissen Hype-Wind. Das Format war neu und jeder Dödel hat fleissig die Platten des Klaws gekauft. Ein ähnlicher Effekt, wie die Zlatko-Rufe in deutschen Stadien während der ersten Big Brother-Staffel.
Himmel, Arsch und Wolkenbruch! Wann, um Himmels Willen, ist diese Scheisse endlich zu Ende?? Die im Titel der Sendung erwähnten „spannendsten Momente“ entpuppen sich nach hinten als die schlimmsten Momente. Jetzt ist auch noch dieser Dödel mit der Stimme eines Schlumpfes dran, der zuverlässig in jeder Staffel von jedem Juror eine eindeutige Abfuhr einkassiert, was ihn aber bestimmt nicht davon abhält, auch in der Nächsten Staffel zu erscheinen.
KK ist auch nicht viel besser. Sie macht mich gruseln, indem sie sich nebenher den Live-Stream des Musikantenstadl ansieht. Sie möchte David Hasslehoff nicht verpassen. Mittlerweile bin ich mir sicher: Der Teufel in Weibsgestalt sitzt direkt neben mir und trägt eine Ray-Ban-Brille zu selbst geklauten Socken. Ich bekomme Angst und unterdrücke diese durch verstärkten Vodka-Konsum. Wir haben noch nicht einmal die Hälfte unserer TV-Orgie hinter uns, ich ängstige mich und flüchte mich in die wärmenden Arme von Dämon Alkohol. Wie soll ich das noch über zwölf Stunden durchhalten?
Erwähnte ich schon, dass heute auf dem Alexanderplatz in Berlin mehrere hundert Fans eine ernst gemeinte Demonstration für den ehemaligen Ganoven Meowin veranstalteten? Meowin wurde „nur“ zweiter in der letzten DSDS-Staffel. Das brachte das Fan-Volk auf. Via Facebook wurde diese Demo organisiert und ich hätte mir gewünscht, dass die hiesigen Knüppel-Polizisten sich schon mal ein Warm-Up für den 1. Mai gegönnt hätten.
Die DSDS-Scheisse kommt zum Höhepunkt. Er heisst… wer hätte das gedacht? Dieter Bohlen! Umschalten. David Hasslehoff tritt auf. Im schwarzen Glitzer-Sakko. Er ist sich noch immer so sicher, die Wiedervereinigung gemeinsam mit den Scorpions angezettelt zu haben, dass er fröhlich am Playback vorbei, ein Medley primitiver Klopper von Sonstwem zum Besten gibt. Bei Bohlen-Didi würde er es nicht einmal in den Recall schaffen. Trotzdem: Der deutsche Mitklatsch-Zombie erhebt sich gleich massenhaft aus dem Stzmöbel, gerät ausser sich, klatscht, winkt und rastet förmlich aus. The Hoff trägt zu seinen Hochglanz-Slippern keine Socken (zumindest habe ich den Eindruck), badet in einer Menge aus welkem Fleisch und Kotzt! Mich! An!
Borg-Andy drückt sich dankbar ein paar Tröpfchen in die Hose und lässt sich von The Hoff ein Glitzer-Don’t-Hassle-The-Hoff-T-Shirt und seine Autobiographie schenken. Während seiner The-Hoff-Schleimerei steht er auf einer Kiste. Schmerzfrei macht er aus seiner Kleinwüchsigkeit einen Witz. So isser, der Andy! Man muss ihn einfach lieben! Man kann gar nicht anders. Nun stellt er The Hoff seinen Eltern vor und ergänzt bezüglich seines Vaters „Er hat mir Autofahren gelernt!“. Wird er den Mann je wieder von der Bühne lassen? Noch nicht! Borg-Andy hat eine ganz überraschende Video-Schalte mit Vatter Hasslehoff organisiert. Wir sehen nun einen Mann mit der Mimik einer Bauchredner-Puppe im hässlichen Oberhemd, der unwichtiges Zeugs erzählt.
Es nimmt kein Ende. Wir sehen nun eine Weltpremiere von The Hoffs neuem Song „This Time around“. Ich halt’s nicht mehr aus. Wir hören einen lebensresümierenden Mist, der wohl nach „My Way“ klingen soll, bei mir jedoch Durchfall auslöst… Kaum ist der Darm entleert, singen Hasslehoff und Borg „I’ve been looking for freedom“ im Duett, dem Song der die Mauer zum Einsturz brachte. Borg-Andy darf sogar deutsche Strophen singen. Al Bano klatscht mit, mit Mitklatsch-Deutschland. Alle sind entfesselt! Pure Ekstase. Was für ein Finale!
Gleich erholen wir uns in South Park. Mann! Wie ich das herbei sehne!

23.00 –  23.30 SOUTH PARK (Comedy Central)

Wir wollten uns vom Horror erholen und kriegen nun die traurigste South Park-Folge überhaupt zu sehen: „Kennys Tod“, in der Kenny wirklich, nach langer Krankheit und all dem, stirbt. Nun mag man jetzt sagen „Was jammerst du jetzt rum, Irmbach-Lichterkett? Der stirbt doch ständig!“. Wie ich sagte, stirbt Kenny nach langer Krankheit und nicht mit dem üblichen Blut-Gespritze. Cartman hökert mit Embryonen herum. „Du rasierst mir die Eier!“ ist sein liebster Satz in Geschäfts-Verhandlungen. Lustigerweise ein Satz, dem mein guter Freund T.B. gestern nicht müde wurde zu zitieren.

In der nächsten Folge geht es um eine meiner Lieblings-Figuren aus South Park: Butters. Der sieht seinen Vater im Pornokino (Fisting Firemen 9) und anschliessend in der Männersauna. Naiv erzählt er’s der Frau Mama, die sich umgehend in psychotische Ablenkungshandlungen wirft.
South Park finde ich mittlerweile noch besser als die Simpsons. South Park ist einfach herrlich böse, bricht ein Tabu nach dem anderen, ist politisch vollkommen unkorrekt, und, wenn nicht gerade tonnenweise Scheisse durch die Sendung spritzt, ist es mir immer wieder ein großes Vergnügen. Wer an diesem Vergnügen teilhaben möchte, mag southpark.de anklicken. Dort gibt es sämtliche Folgen als Stream auf Deutsch und Englisch. Mit Werbung wird man nur selten belästigt und der Stream funktioniert einfach ausgezeichnet.

Da South Park vornehmlich in der Nacht läuft, gehören die Geschichten um die Kids und das beknackte Kaff in Colorado auch zu meinen bevorzugten Einschlaf-Sendungen. Comedy Central sendet gern mal vier Folgen am Stück. Da kann man ausgezeichnet vor einschlafen. Der Sleep-Timer macht den Rest.
Nun haben wir die erste Hälfte unserer 24 Stunden vor der Glotze hinter uns. Ich werde den Teufel tun und ein Zwischen-Resümee ergießen. Ich kann nur sagen, dass ich genau weiss, warum ich nur zum Einschlafen fernsehe. Von den zwölfeinhalb Stunden haben mir lediglich die Simpsons und South Park gefallen. Der Rest war nur unter Schmerzen zu ertragen.

23.30 – 01.00 GENERATION POP – DISCO; DAUERLUTSCHER /POESIE; PROTEST (WDR)

Der Titel ist ja schon mal vielversprechend. Jetzt gibt’s auch gleich Amanda Lear. Großartig!
Gerüchte um ihre Transsexualität, ihrer tiefen Stimme wegen, waren ein Werbegag, wie Frau Lear später aufklärte. Das wäre ja auch noch schöner! Als präsexueller Knirps fand ich Amanda Lear echt heiss. Auf einer silbernen Jacke in NASA-Optik hatte ich einen goldenen AL-Aufkleber, das gestehe ich an dieser Stelle und um diese Zeit. Morgen lösch ich das mal lieber… Oder auch nicht. Egal!
Während wir uns fragen, was Marusha in einer Disco-Doku zu suchen hat, müssen wir olle Disco-Klopper mit ansehen inklusive der Kommentare einiger Protagonisten der Disco-Ära plus Marusha. Was macht die da nur? Gibt’s die gerade billiger?
Es geht auch kaum um die Musik. Es geht um die Sexyness und schräge Gewandungen. Originalaufnahmen wechseln mit Kommentaren. Neue Erkenntnisse gibt es natürlich keine. Schon gar nicht von Marusha! Wer erwartet denn schon ernsthaft neue Erkenntnisse über Disco? Die Welt hatte Angst vor Terroristen und Sonntags durfte ich auf der Straße spielen, denn, ob der Ölkrise, war der Sonntag autofrei. Dass die zuständigen Autoren jetzt einen sehr knappen Bogen von Sydney Romes Aerobic-Gehopse zu einem Set von Marusha spannen, um danach direkt zu Abba zu gelangen beeindruckt mich schon. Allerdings nicht im positiven Sinne. Drogen werden auch erwähnt. Allerdings nur unter dem Oberbegriff Drogen. Wer da was geschmissen hat, bleibt Geheimnis der kommentierenden Protagonisten.
Nächster Teil: Poesie & Protest.Nichtmal eine Minute läuft die Sendung und schon hockt Claudia Roth in ihrer bedeutenden Funktion als ehemalige Managerin der Ton, Steine, Scherben vor der Kamera. Hat die eigentlich politisch nichts zu tun? In der Opposition gibt es doch jede Menge Arbeit, oder nicht? So wird das nichts mit Schwarz/Grün. Weder in NRW, noch auf Bundesebenne. So gesehen, haben wir doch Glück. Solange sich noch immer ein idiotischer Redakteur findet, der meint, die Meinung der Roth sei von populärkultureller Relevanz, bleibt uns Frau Roth als Regierungspolitikerin erspart.Eine Weile befürchtete ich, dass jetzt das ganze Poesie &Protest-Ding ausschliesslich an den Scherben aufgezogen wird. Zum Glück erinnerte sich dann doch jemand an die Fehlfarben (wurden damals u.a. mit nassen Bierdeckeln beworfen) und Udo Lindenberg (hat die Bierdeckel lieber selbst nass gemacht). Dass sich jedoch jemand an die Frauenband Schneewittchen („Die Emanzipation ist wirklich eine harte Sache!“) erinnert, ruft schon wieder Schmerzen hervor. Die MitgliederInnen dieser unhörbaren Band, sehen allesamt aus, wie direkt vom 70er-RAF-Fahndungsplakat im Postamt zu Fürstenau gesprungen. Furchtbar! Zum Glück hat das Emanzipations-Dingen ja einigermaßen hingehauen, sodass uns heutzutage derartige Schrauben erspart bleiben. Ina Deter hat das mit der Emanzipation ja deutlich cooler durch gezogen. New-Wave-Outfit und rosa Gitarre stiessen auch bei uns heranwachsenden Kanben auf eine gewisse Gegenliebe.War ja klar! Nun kommt die Königin aller Schreckschrauben: Nina Hagen! Cool und schräg angefangen, mittlerweile schon längst völlig verzettelt im eigenen Eso-Irrsinn, mit überflüssiger Meinung zu jedem Mist und viel zu viel TV-Präsenz.War klar, dass die Redaktion den Stahl noch in der Wunde dreht und uns diese Kölner Kapelle BAP um den Latz haut. Fehlt nur noch Heinz-Rudolf Kunze, und das Leiden ist komplett.
Vorerst heisst es aber „Wir wollen Sonne statt Reagan“ von Joseph Beuys featuring einiger Aufnahmen vom jungen Joschka Fischer. Joseph Beuys hat nicht nur Fett in Ecken geschmiert, oder einem toten Hasen die Bilder erklärt, er hat auch gesungen! Das muss man sich mal rein ziehen! Damals, Nato-Doppelbeschluss ist das Stichwort, war Protest unheimlich notwendig. Protest ist auch heute noch bitter nötig. Dass das kaum noch einer begreift, ist mir schleierhaft.

Ohne mit Heinz-Rudolf zu nerven, kommen wir zu Kraftwerk. Natürlich werden sie als Vehikel Richtung Tschernobyl benutzt. Mit Protest hatten die Herren nun nicht gerade viel am Hut. Konstantin „Koks“ Wecker hat mit Protest sehr viel am Hut, wenn auch unhörbar. Später erlag auch er der süssen Dekadenz des weissen Pülverchens, kommt als Zeitzeuge doch recht klug und aufgeräumt daher. Ein netter älterer Herr!
Wir haben’s geschafft! Die Protest-Sendung ging ohne Heinz-Rudolf Kunze über die Bühne. Ein Glück! Claudia Roth und Schneewittchen waren schon harte Brocken. Wir schalten nun um.

01.00 – 1.55 HACK – DIE STRASSEN VON PHILADELPHIA (K1)

Ich habe nicht die geringste Ahnung, was wir da gerade kucken. Die Überschrift musste ich schon bei KK abkupfern. Was soll’s? Sind ja nur noch zehn Stunden… Könnte ja mal eine kurze Beschreibung dessen copypasten, was wir da gerade sehen:
„Der Polizist Vahan Badakian gerät in einen Raubüberfall. Es kommt zu einer Schießerei, bei der Badakians kleiner Sohn getötet wird. Marcellus Washington macht mit Olshanskys Hilfe den Todesschützen ausfindig. Da der einzige Zeuge ermordet wird, will Badakian Selbstjustiz üben – Washington und Olshansky versuchen, ihn davon abzuhalten… Grizz trifft auf seine Jugendliebe Beth und muss feststellen, dass seine Liebe auch nach über 20 Jahren noch nicht erloschen ist…“
Was hat denn der Autor genommen, um auf solche Namen zu kommen? Olshansky, Badakin, Grizz… Da klingt Irmbach-Lichterkett ja wie der normalste Name der Welt. Ich fürchte , wir sehen nun zutiefst moralischen Mist. Ein Kanbenficker Priester faselt von der Ehe als Sakrament, und dass Scheidung einfach nicht drin ist, scheint jedoch in dem ganzen Selbstjustiz-Dingen seine wurstigen Griffel zu haben.

Verdammt! Jetzt muss Badakins Sohn (Hä? Ich dachte, der ist tot…) auch noch beim Priester abgeladen werden. Angesichts aktueller Ereignisse hege ich nun schlimmste Befürchtungen… Glück gehabt! Badakin Junior darf unangetastet auf dem Beifahrersitz von Vaters Taxi Platz nehmen. Nach einer Schiesserei komt es zum üblichen Kompetenzgerangel unter Polizisten: „Was machen sie hier?“ fragt der eine. „Das ist mein Fall!“ antwortet der andere. Gut, dass sie das geklärt haben!
Keine Zeit zum Atmen. Ruckzuck geht es Afro-Amerikanischen Dealern an den Kragen: „Wenn du nichts getan hast, wieso bist du dann weg gelaufen“ „Weil wir vor euch Bullen immer weg laufen.“ unübertreffliche Dialoge!
Memo an mich selbst: Wollmütze, kombiniert mit Krawatte sieht Scheisse aus!
Endlich Werbung mit Fleisch: „Treffen sie Männer und Frauen, die auf der Suche nach echtem Sex sind.“ Gibt’s auch unechten Sex? Ich bin in Sorge. Hatte ich bisher nun echten Sex oder unechten Sex? Sollte eine Werbung mich, in nichtmal 30 Sekunden, in eine Sex-Krise stürzen?
Apropos Sex: Der fette Priester singt, bügelt und säuft. Da ist er uns nicht-perversen Männern ganz ähnlich. Sind potentielle Sexualpartnerinnen in weiter Ferne, fangen wir umgehend an zu singen, bügeln und saufen.
Nun hat Badakin Junior heimlich Messwein gezecht. Lattenstramm ist der Bengel! Der Priester schleppt ihn ins Bett. Auch dieses Mal bleibt er unangetastet. Ein Glückspilz! Ich hingegen, habe Pech. Der Mist langweilt mich zu Tode und ich überlege, meinen Mohawk nach zu rasieren. Ich verwerfe den Gedanken gleich wieder. Sich in Anwesenheit eines Gastes den Schädel zu rasieren, halte ich für unhöflich. Lieber kümmere ich mich darum, dass unsere leeren Gläser wieder gefüllt werden.
Ein Freudscher  Fehler liess mich eingangs statt „Hack“, „Kack“ in die Überschrift schreiben. Nun ist mir klar, dass es sich mitnichten um einen Freudschen Fehler handelte, sondern um die reine Wahrheit. In fünf Minuten ist es damit vorbei. Dem Vodka geht’s übrigens genau so.
Zum Ende startet der Priester einen sexual-theoretischen Versuch bei… wait for it! …einer Frau! Natürlich scheitert das bigotte Dickerchen. Die Möglichkeit, dass er sich in Zukunft an Knaben vergeht, steigerte sich soeben enorm. Da fällt mir ein… heisst es eigentlich Beicht-Stuhl, weil man dort seine Scheisse ablädt? Auf kluge Antworten, auf diese doofe Frage gebe ich einen feuchten Kehricht, freue mich jedoch trotzdem darüber. Ehrlich!
Versöhnliche Musik. Vater und Sohn gehen eine Straße hinunter. Wieder haben wir eine Sendung überlebt und kucken nun einen Horrorfilm.

01.55 – 02.50 BROTHERHOOD 3 – DIE MACHT DER DÄMONEN (K1)

Ein Horrorfilm. Geil! Getrübt wird die Vorfreude höchstens durch KKs Ansage, dass wir B3 (so nenne ich den Slasher liebevoll und um der Kürze Willen), nicht zu Ende kucken werden. KK möchte gleich Sherlock Holmes sehen. Zum Glück konnte ich mit der Blut-und-Sperma-Theorie punkten. Die besagt, dass, wer in einem Teenie-Slasher Sex hat, säuft, oder Drogen nimmt, als erste/r draufgeht. Sämtliche anderen Theorien zu Horrorfilmen kann KK mit geschlossen Augen herunter beten. Zutiefst beeindruckt lasse ich vorerst meine Finger von der Tastatur und rauche statt dessen Kette.
Übrigens: Bronchialtee schmeckt am besten, wenn er lange ziehen durfte, zu einer Zigarette.
Eine kurze Inhaltsangabe lässt hanebüchenes vermuten: „Lex veranstaltet mit seinen Mitschülern jedes Wochenende Fantasy-Rollenspiele. Lange geht alles gut, doch beim 111. Spiel passiert etwas Unvorhergesehenes: Lex‘ Bruder Ramsey hat zwei Objekte als Preis ausgesetzt – ein altägyptisches Buch und die so genannte „Kette des Anubis“. Diese Gegenstände scheinen magische Kräfte zu besitzen, und nach der Lektüre des Buches wird Lex zum willigen Sklaven seines Bruders, welcher sich als Reinkarnation des Pharaos Ramses II. erweist. „
Aber mal ehrlich… Wer unter euch Lesern den ersten nicht-hanebüchenen Teenie-Slasher gesehen hat, der werfe den ersten Stein schreibe den ersten Kommentar. Selbst tolle Klopper der Slasher-Welt sind mit unlogischem Mist und Kopschüttlern nur so übersät. Doch mein alter Freund Hippie-Sven (auch Blut-Svente genannt) sagte in den späten Achtzigern „Wenn du Logik willst, studier gefälligst Mathematik und lass deine Finger vom Fernsehen!“
Jetzt duscht da einer, vermutlich das erste Opfer, in Unterhosen. Hallo, Kabel 1! Mal auf die Uhr gekuckt? Es ist gleich 3.00 Uhr in der Nacht. Pimmel dürfen gezeigt werden, auch wenn keine Sau Pimmel sehen will! In Unterhosen duschen! Geht’s noch? Da die Unterhose weiss ist, entlockt der Anblick zumindest KK ein Geräusch der Verzückung. Es ist ganz klar, dass es Verzückung ausdrückt, auch, wenn sie das nicht zugeben will.
Endlich Blut in Aussicht! Der beschlüpfert duschende Beau wird gleich sicherlich fachgerecht vom gesichtslosen Bösewicht in schwarzem Umhang aufgeschlitzt! Das vermute ich zumindest. Den Moment des Schlitzens unterbricht Kabel 1 mit Werbung für Filmchen mit Vivian Schmitt und Gina Wild für’s Handy. Wer gibt denn dafür noch Geld aus? Gina Wild hat seit mindestens zehn Jahren keinen Porno mehr gedreht. Überhaupt hat sie nur circa fünf Pornos gemacht. Jeder einzelne kurvt hundertfach und für lau im Netz. Den Nacken, der sich den Schmuddel kostenpflichtig aufs Handy lädt, möchte ich mal sehen. Zumindest auf ’nem Foto. Für rein Real-Life-Treffen fühle ich mich nicht stark genug.
Obwohl die Musik seit zehn Minuten was anderes verspricht, leben alle noch. Die Herkunft der einzigen Blutlache bleibt weiter ungeklärt. Frustration macht sich breit. Einzig die Darstellerin im lila Kleid mit dem Lippenstift, bietet etwas Reiz, zumal es nun Gegenlicht-Zeitlupen-Bondage-Harmlosigkeiten im Kunstnebel ohne lila Kleid mit ihr zu sehen gibt.
Fack! Ausgerechnet jetzt fängt Holmes an. Ohne Blutvergiessen verabschiede ich mich schweren Herzens von Brotherhood 3. An meinen Videothekar: Leg mir den mal beiseite. Ich komm die Tage mal rum und hol ihn ab.

02.50 – 04.10 SHERLOCK HOLMES – DER HUND VON BASKERVILLE (ZDF)

Ach, wie langweilig entspannend! Ein Schwarzweiss-Schinken klassischster Natur! Jeder kennt diesen Film. Absolut nichts habe ich dem hinzu zu fügen. Jeder Versuch, etwas neues über einen fünfzig Jahre alten Film zu schreiben, würde mich, gerade um diese Zeit, mit Sicherheit in die Lächerlichkeit reiten. Daher werde ich die Gelegenheit nutzen, einige Worte zu meiner Befindlichkeit zu schreiben. Kaffee und Club-Mate richten sonderbares mit mir an. Mein Kopf fühlt sich seeehr müde. Mein Körper ist rappelig. Ich fühle mich komisch. Seit fünfzehneinhalb Stunden starre ich auf zwei Bildschirme und versuche zu allem, was ich mir ansehe, wenn schon nichts geistreiches, zumindest was kurzweilig-amüsantes zu schreiben. Das ist anstrengender, als ich dachte.
Ich kann nächtelang feiern, auch ohne Beschleuniger. Ich kann fast problemlos meinen Rhythmus umpolen und, aus Gründen der Arbeit, die Nacht mit dem Tag vertauschen. Zu Hause zu sitzen und in netter Begleitung ins TV zu starren, war mir nicht einmal eine Überlegung bezüglich der Müdigkeit wert. Nun hab‘ ich den Salat. KK lümmelt putzmunter im Sessel neben mir und tippt wieselflink kluge Worte in ihren Mac, während ich hauptsächlich damit beschäftigt bin, meinen Kopf mit meinem Körper in Einklang zu bringen. Fack! Es ist noch nichtmal vier Uhr, und ich fühle mich wie nach Guantanamo-Schlafentzug. Trotzdem schaffte ich es gerade noch, einen ernsten Chat mit einem lieben Freund zu führen.
Ich hör jetzt mal auf, zu jammern, koche noch mehr Kaffe und sehe mir an, was da kommen mag im TV, um diese Zeit.

04.15 – 05.40 UNSICHTBARER FEIND (Pro7)

„Dazu wurde er gebaut: Ein US-Tarnkappenbomber ist plötzlich verschwunden. Doch die 75 Millionen Dollar teure Wunderwaffe taucht ausgerechnet in Afghanistan wieder auf. Spezialagent John Sands soll sie zurückholen…„Co-Autor“ Steven Seagal kopiert den Dudikoff-Film „Black Thunder“. Dessen Autor erhält im Abspann ein Dankeschön. Auch die Flugaction ist geklaut (z. B. aus „Iron Eagle“).“

KK hat soeben recherchiert, dass dieses Machwerk, der, laut Guiness Buch der Rekorde, grösste Flop der Filmgeschichte ist. Welcher Vollidiot hat das denn bezahlt? Steven Seagal kopiert Michael Dudikoff! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Hat da ein Haufen grenzdebiler Zuhälter ganz schnell, ganz viel Geld waschen müssen? Seit wann kopiert Not bei Elend? Selbst wenn man die Schauspieltalente Dudikoffs und Seagals zusammen in einen Eimer schmeisst, kommt da noch lange kein kompletter Schauspieler bei raus! Auch ich bin manchmal mit seichter Popcorn-Action prima zu unterhalten. Aber so besoffen, einen Dudikoff- bzw. Seagal-Film zu ertragen, kann ich gar nicht werden. Eher lande ich mit Magenpumpe im Gedärm im Urban-Krankenhaus und bin bereits seit einer Stunde ohnmächtig.
Der Film muss dermaßen scheisse sein, dass sich auch die üblich Verdächtigen Filmkritik-Seiten erstaunlich knapp halten. Lediglich bei einem allseits bekannten Online-Versand findet man eine Kritik, die einem Genickschuss gleich kommt.
Wir haben kaum noch eine Wahl. Die schönsten Bahnstrecken, Softpornos und Dauerwerbesendungen regieren um diese Zeit den TV-Himmel. Jetzt heisst es wach bleiben! Glücklicherweise dürfen wir mit viel Geballer rechnen, welches uns immer wieder aus dem Sekundenschlaf reissen wird. Lehnen wir uns nun zurück und suhlen uns im Müll!
Toller Dialog:“Verraten sie mir doch, wo das Flugzeug ist!““Leck mich doch am Arsch!““Ich mach dich fertig!“
Die Konstruktion aus Haupt- und Nebensatz scheint hier völlig unbekannt zu sein. Stattdessen gibt es ein ganz kleines, lesbisches Herumgemache zwischen zwei waffenstarrenden Amazonen. Wie gut, dass eine der Amazonen, mitten im afghanischen Kampfgebiet, ein Satin-Negligé gefunden hat!
Die Schluss-Action dauert nun schon zwanzig Minuten. Soeben wechselt sie vom Boden in die Luft. Noch 10 Minuten, und wir können einen weiteres Häkchen setzen. Ein weiterer Film ist gekuckt und zerrissen. Draussen stimmen die Vögel ihr Hohngelächter an, während im Film das Star spangled Banner im Winde flattert. Wir haben es geschafft! Auch Steven Seagal konnte uns nicht fertig machen.

05.40 – 06.00 HOW I MET YOUR MOTHER (Pro7)

Juhu! Das Programm normalisiert sich wieder. Das Ross (niemals ohne Artikel verwenden!) wird es nicht müde, diese Serie zu empfehlen. Ich habe sie bisher nur zum Einschlafen gekuckt. Comedy synchronisiert zu sehen, ist ja eigentlich ein furchtbares Geschäft. Daher läuft „How I met your Mother“ bei mir bisher unter so lala und nervt nicht.
Um Barneys Bro-Code kommt man ja selbst dann nicht umhin, wenn man seinen Fernseher, ganz neuköllnisch, im Landwehrkanal versenkt. Awesomeness spielt eine wichtige Rolle! In dieser Folge sucht Barney einen neuen Co-Piloten, was sich, trotz aller Awesomeness, als erstaunlich schwierig herausstellt.
Bei Gelegenheit werde ich mir „How I met your Mother“ mal im Original ansehen. Kann gut sein, dass ich es toll finde. Kann aber auch gut sein, dass ich weiterhin „so lala“ denke. In dem Fall wandert das Zeug umgehend in den digitalen Mülleimer und in meine persönliche Vergessenheit. Ein weites Land mit weitem Horizont.

06.00 – 07.00 MALCOLM MITTEN DRIN (Pro7)

Boah, ey! Ich kann’s kaum noch sehen! Bis zur Geburt des vierten Bengels habe ich es mit Wonne im Original gesehen. Ein Reisen-Spaß! Dann sah ich Frankie Muniz (Malcolm) bei „Punk’d“, diesen Wir-führen-Promis-aufs-Glatteis-Blödsinn, der dereinst auf MTV lief. Ashton Kutcher hatte den todschicken Sechszigerjahre-Porsche des Rotzlöffeles mit zu viel Gage und Erfolg, von einem bewachten Parkplatz entsorgt. Das zutiefst widerliche und garstige Geschrei hättet ihr hören sollen! Gefühlte Stunden gockelte der Bengel, dem Wutputer gleich, durch die Sendung und plärrte nach seinem „Porsch“. Porsche nicht mal aussprechen können aber la Paloma pfeifen, das haben wir gerne!
Ein Paradebeispiel, dafür, was passiert, wenn man einem Teenager zu viel Geld und Anerkennung in den verwöhnten Arsch bläst. Seitdem sehe ich mir Malcolm nur noch an, wenn das Nachtleben mich zwingt, in den Morgenstunden in mein geliebtes Bett zu sinken, und ich die Glotze als Schlafmittel missbrauche.
Viereinhalb Stunden gilt es nun noch in die Röhre zu kucken. KK nimmt kein Koffein mehr zu sich. Sie ist mittlerweile flatterig wie ein Haufen Chorknaben vorm ersten Missbrauch. Ich hingegen, denke über ein komplettes Frühstück nach, inklusive Rührei, Kaffee, Kippe und Marmeladentoast. Alkohol lasse ich nun einen guten Mann sein, und Frankie Muniz, die Arschnase, die er offenbar ist.

07.00 – 07.15 NILS HOLGERSSON (ARD)

Wir schalten uns ins letzte Drittel des Märchenklassikers, der mir schon als Kind nie begegnete. Ich weiss nur, dass der junge Skandinavier auf einem Gänsevieh reitet. Mittlerweile hege ich auch kein besonderes Interesse daran. Weil draussen jedoch die Vöglein so hübsch singen und die Sonne scheint, will ich mich mal in totaler Toleranz üben, und artig zuschauen. Was wir hier sehen, ist eine japanisch-Österreichische Co-Produktion, und so sieht’s auch aus. Wie Heidi nämlich. Gänzlich konturlose Flach-Kreaturen (im grafischen Sinne) und Standbilder, bei denen sich nur die Münder bewegen. So sah Zeichentrick 1985 aus. Aber es war noch Zeichentrick. Alles wurde von Hand gezeichnet. Ich will dem nun nicht hinterher heulen, finde gezeichneten Zeichentrick jedoch sehr charming.
Um diese Uhrzeit sollte man sich an Kindersendungen gewöhnen. Für Erwachsene gibt es um diese Zeit einfach nichts. Von Scrubs z. B. läuft nun die Wiederholung von gestern. Ihr könnt euch schon mal auf die Sesamstrasse einstellen.

07.15 – ??.?? X-MEN, SONIC, NESTOR UND QUEST (Pro7)

Da klappt man mal kurz die Äuglein zu, und schon wird man des Schlafes bezichtigt! Nun gut. Der Schlaf ist verdammt nahe und das TV-Programm am Morgen ausschliesslich fürs Kind. Bevor ich mir also weiterhin diese kindgerechten Vertrickfilmungen ehemals spannender Comicvorlagen ansehe, werfe ich gern das eigene Handtuch.
Draussen strahlt mittlerweile die Sonne von einem makellos blauen Himmel, während Spiderman im TV sogar Tante May zu langweilen scheint. Zwei Nichtfernseher  wollten mal so richtig lange fernsehen und das ganze dann per Blog begleiten. Das ist nun passiert und auf ein paar Stündchen weniger wollen wir alle großzügig pfeifen. Ich möchte gleich noch mit „den Jungs“ grillen. Da möchte ich ein wenig wacher sein als jetzt und klappe mich nun hinfort.
Zum Resümieren finde ich es jetzt noch viel zu früh. Ich weiss nicht, wie viele Beiträge ich nun geschrieben habe. Ich kann mich auch kaum erinnern, was wir gekuckt haben und schon gar nicht, was ich dazu geschrieben habe. Ich danke für Aufmerksamkeit,  Kommentare und Support und lege mich nun ins Bett. Gute Nacht.

Auf’s Resümee will ich mal großzügig pfeiffen. Ich kann und will mich nicht mehr mit diesem 24-Stunden-Horror beschäftigen. Wer ein Resümee will, der gehe bitte zu KK.

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