Und noch mal schnell zu Karstadt am Hermannplatz

Wäre mein Schädel nicht angewachsen, ich würde ihn sonstwo liegen lassen!
Nach meiner vorgestrigen Schlacht in und um Karstadt, ging mir heute auf, dass ich die Hälfte vergessen habe, ich Dödelheimer. Nun gut… moralisch fühle ich mich einigermaßen gewappnet und werfe mich in Parka, Mütze und Stiefel (Wo ist eigentlich mein schwarzer Schal?). Bereit, eine weitere Alltags-Schlacht zu schlagen!

Doch dann kam alles ganz anders: Im Treppenhaus begegnet mir niemand. Kein Hund kläfft, kein Kind schreit. An der Haustür liefere ich mir mit einem Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung einen kleinen Wettlauf darum, wer der Nachbarin mit Kinderwagen die Tür aufhalten darf. Ein Rennen, welches ich knapp, aber eindeutig für mich entscheiden konnte! Auf dem Gehweg befinden sich weder Rafahrer, Ellbogen-voraus-Telefonierer, noch Übermütter oder Hundsgetier. Lediglich mein Hausmeister lungert gekleidet, bandagiert und biertrinkend vor der Haustür herum. Er bemerkt mich nicht und sein Gänsehaut erregendes „Hallöchen“ und die üblichen Schlüpfrigkeiten bleiben mir erspart. Beim Buchhändler in der Weserstraße habe ich den Auslagentisch für mich. Nur wenige Fußgänger warten an der Ampel Urbanstraße/Kottbusser Damm. Ich entscheide mich, auf ein grünes Signal zu warten und alle warten mit mir. Einer pfeift ein Liedchen vor sich hin. Die Sonne scheint.

Am Eingang Urbanstraße sehe ich von der anderen Straßenseite den Bus davon fahren. Niemand wartet in oder vor dem Eingang zum altehrwürdigen Kaufhaus. Ich habe freie Bahn! Zuerst gehe ich zum integrierten Bücher-Höker und finde schnell ein Buch von dem ich glaube, dass es einem Zwölfjährigen gefallen könnte (ob es dem Lümmel tatsächlich gefällt, sehe ich dann. Über 400 Seiten können in dem Alter durchaus abschrecken. Da es jedoch um einen dreizehnjährigen Piraten geht, hege ich gewisse Hoffnungen). An der Kasse warten lediglich drei Kunden vor mir. Darunter zwar eine eingeborene Matrone, die ein berlinisch-höfliches Gekeife über zu viel Kleingeld anstimmt, doch die freundliche Kassendame wechselt, ausnahmsweise zwar, doch umgehend die Kleingeldsammlung der Matrone in „richtjet Jeld“.

Nun habe ich noch im Supermarkt im Kellergeschoss eine feinkostmäßige Besorgung zu erledigen. Auf der Rolltreppe nach unten stehen alle brav auf der rechten Seite und bemühen sich sogar, noch mehr Platz zu machen während ich die Rolltreppe herunter galoppiere. Das Regal mit den Konfitüren ist rasch gefunden und zwei ausgesucht exklusive Produkte zu ebenso ausgesucht exklusiven Preisen sind schnell ausgesucht.

An der Kasse angekommen, kann ich mir aussuchen, welche von zwei untätigen Kassiererinnen ich mit meinem Konfitüren-Kauf aus den Tagträumen befördern darf. Ich zahle einen Betrag, von dem ich mich in schlechteren Zeiten auch durchaus mal eine Woche ernähren kann. Es wird beiderseits artig bitte und danke gesagt sowie ein schöner Tag gewünscht und ohne nennenswerte Zwischenfälle komme ich nach Hause.

Nun sitze ich hier, ich armer Teilzeit-Misanthrop, bei einer Kanne Tee und einem Zigarettchen im warmen Kämmerlein, blogge vor mich hin, und habe echt richtig schlechte Laune!

Zusatz: Dieser kleine Aufsatz ergänzt einen vorherigen Aufsatz, der sich ebenfalls mit dem Thema „Einkaufen bei Karstadt am Hermannplatz“ auseinander setzt.

Dem geneigten Leser Kongo Müller, der es gerne mal ganz genau wissen will, sei gesagt, dass es sich beim heutigen Buchkauf um den Jugendroman „Unter der Totenkopfflagge – Die Abenteuer des Paul Pomeroy“ von Markus Schowe handelt. Hab jetzt drei Rezensionen gelesen. Kommt ganz gut weg, der Schmöker.

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  1. 16. Dezember 2010

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