Tapes

Mann, war ich froh als das Medium Audiocassette ausstarb! Als das letzte Tapedeck endgültig seinen Geist aufgab, flog es im hohen Bogen in den Müll. Die absurd vielen Tapes wurden in Plastiksäcke gepackt und landeten für Jahre auf dem Dachboden. Umzug für Umzug wurden die Säcke ungeöffnet mit geschleppt, landeten wiederum auf Dachböden oder in Kellern. Dann kam mein Umzug nach Berlin. Weg, aus der Gegend die ich Jahrzehnte lang bewohnt hatte. In Berlin Wohnungsmäßig gefestigt überkam mich die Sehnsucht nach etwas vertrautem. Ich wollte meine Tapes sichten. Mixtapes an denen meine Freunde und ich tausende von Stunden gesessen haben müssen. Liebevoll collagierte oder handgemalte Cover. Überlange Songtitel in viel zu kurzen Zeilen, geheimnisvolle, unbeschriftete Tapes…

Ich öffnete den ersten Sack: Schimmel! Scheisse! Tapes können schimmeln. Und zwar in allen Säcken! Von circa achthundert Tapes war keines mehr zu gebrauchen. Jetzt vermisse ich die Dinger schon ein Wenig.

Und mit dem Vermissen stehe ich offenbar nicht alleine da. Viele nennen ihre Mix-CDs, ihre Soundcloud-Mixe und Wasweissichnoch aus historischen Gründen Mixtapes. Vermutlich auch, weil das Wort Mixtape so schön ist, weil soviel Erinnerung dahinter steckt. Erinnerungen an Stunden langes Aufnehmen, lästiges Spulen, späteres Leiern, finaler Bandsalat. Tapes sind gemeinsam mit uns älter geworden. Ein solcher Begleiter fehlt uns scheinbar.

(Foto via Dangerous Minds)

Advertisements
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: