Kein Burger zwischen Brüssel und Berlin

Neulich trieb ein Job mich zum wiederholten Mal nach Brüssel. Eine wirklich schöne Stadt und immer eine Reise wert. Es sei denn, man fährt zum Arbeiten dort hin. Von meinem Arbeitsplatz konnte ich mein geliebtes Atomium zwar sehen, jedoch nicht anfassen. Seit mein Großvater mir in früher Kindheit ein Foto des 1954 zur Weltausstellung errichteten Gebäudes zeigte, ist das Atomium eines meiner Lieblingsgebäude ever.

Sei’s drum! Nach ein paar Tagen war der Job am frühen Abend erledigt, wir fuhren zum Hotel, packten die Taschen, duschten, ich stahl noch ein Handtuch und es ging zu viert in einem Kombi auf die Autobahn. Bei derartigen Touren (770 Kilometer durch Europa) leiste ich mir die, politisch gänzlich unkorrekte, Schrulle meinen Hunger auch mal bei einer dieser Burgerbratereien zu stillen. Der Geschmacksverirrte Tenor lautete „Wir wollen Chili-Cheese-Burger!“ und wir beschlossen damit zu warten, bis wir wieder auf Deutschem Boden waren, weil einer der Mitreiseneden meinte, in Belgien oder den Niederlanden könne die Dinger eh kein Mensch bezahlen. Ein hanebüchner Unsinn zwar, ich war jedoch zu müde und fertig um angemessenen Protest einzulegen. Obendrein gab es nur eine Burgerbraterei auf unserem Weg durch die freundlichen Nachbarlande, weil das Navigationsgerät es offenbar für amüsant hielt, vier wilde Handwerker mit Hunger in die Outskirts von Eindhoven zu lotsen.

Als dann die Mägen buchstäblich auf den Knien hingen, erreichten wir gegen 22:40 Uhr die Raststätte Ryhnern, einen furchtbar deprimierenden Ort, der wohl zu Hamm gehört. Dort reihte sich LKW an LKW, ansonsten rauschte dort nur die Autobahn. Als wir den dortigen Burgerbratdienst betraten wurde uns von den, mit chemischen Keulen putzenden, Angestellten offenbart, dass dort seit 22:00 Uhr Feierabend sei. Spontan gesellten sich zu den hängenden Mägen, hängende Kinnladen. Einige Unflätigkeiten des Protests murmelnd zogen wir zu einem alternativen Autobahnfraßanbieter, der, ausser ein paar trockenen Bratwürsten und lauem Kaffee, Bier nur zu Luxushotelpreisen anbot. So schlürfte unser Pilot denn seinen Kaffee und wir alle knabberten an Wurst. Mangelhaft befriedigt und das Misstrauen der Ordnungshüter wegen Aussenpinkelei erregend, stiegen wir ins Auto um endlose Stunden auf der nächtlichen Autobahn zu verbringen. Ich weiss nicht, an wie vielen Raststätten uns die Lust auf diese verkackten Chili-Cheese-Burger noch halten liess. Lediglich ein paar Flaschen Bier, eine winzige Flasche Jägermeister und das Spiel Wir-raten-Interpret-und-Songtitel hielten uns einigermaßen bei Laune.

Irgendwann schlief ich ein. Ihr wisst schon… dieser Autoschlaf, nach dem man grundsätzlich mit steifem Nacken und eingeschlafenen Beinen erwacht. Als ich erwachte und nicht genügend Hände hatte um mir die schmerzenden Stellen zu reiben, waren wir bereits fast in Berlin. Ächzend wand ich mich auf meinem Rücksitz und wollte gerade zum großen Maulen ansetzen, als Kollege B., der Fahrer, sich umdrehte und mir grinsend einen verpackten, lauwarmen Burger vor die Nase hielt. Zwar war es nicht der ersehnte CC-Burger, sondern ein x-beliebiger Burger von einer x-beliebigen Tankstelle, doch dankbar verschlang ich diesen, leicht matschigen, Klumpen der in dem Moment alle Köstlichkeit eines guten Burgers vorzutäuschen wusste.

Aber jetzt mal ehrlich! Brüssel, die Hauptstadt Europas und Berlin, diese andere Hauptstadt… wieso kriegt man nachts, auf diesen 770 Kilometern, die da zwischen liegen, nicht einen einzigen, vermaledeiten Chili-Cheese-Burger??? Was ist denn da nur los, im alten Europa? Kann da mal jemand Maßnahmen ergreifen?

Nun gut. Diese, etwas unschöne, Reise liegt hinter mir, darum möchte ich nun in tiefer Dankbarkeit für diese selbstlose Rettungstat des Kollegen B. schliessen. Der Mann hat was bei mir gut!

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