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Einer dieser Tage – Teil 1

Mann! Ich hatte gestern einen dieser langen Abende der weder mit Feierlichkeiten, noch mit dem damit einhergehenden Alkohol- und/oder Drogenkonsum zu tun hatte. Eigentlich wollte ich mir in aller Ruhe ein DFB-Pokalspiel ansehen, mich am Dschungelcamp weiden und halbwegs zeitig ins Bett. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit bekam ich einen Anruf. Das nette Gespräch dauerte satte zwei Stunden. Bereits während dieses Gespräches wurde ich per Skype angechattet. Auch der Chat dauerte zwei Stunden und war alles andere als unanstrengend. Fußball und Dschungelcamp rauschten als farbige Flimmerkulisse durch meinen geistigen Hintergrund. Der ruhige Abend war perdü, an zeitigen Schlaf nicht zu denken!

Eigentlich kann ich schlafen wie ein Koalabär (das Tier, das nachweislich am längsten schläft. Nämlich 20 Stunden am Tag). Gebt mir eine halbwegs bequeme Fläche zum Ausstrecken, ich schlafe ruckzuck ein. Da kann man mich mit Kaffee abfüllen, Drogen in mich hinein blasen, das Zeug, was mich vom Schlafen abhält, muss erst noch erfunden werden!

Einzig, die von Funny van Dannen so genannte „Herzscheisse*“, hält mich vom Schlafen ab. Nicht immer, aber wenn, dann richtig! Da werfe ich mich hin und her und her und hin, schalte den Fernseher an und wieder aus, fresse den Kühlschrank leer, stöpsel mein DJ-Equipment zusammen, erfreue damit meine Nachbarn und bin von mir selbst genervt. Habe ich mich dann doch irgendwann müde geglotzt, gefressen, gedeejayt und genervt, schlafe ich irgendwann am Morgen ein. Dass dem heute so war, ist nun auch nicht weiter schlimm; muss ja erst ab späten Nachmittag arbeiten.

Heute, allerdings, hat der Heizungsableser mir einen dicken Strich durch meine Rechnung gemacht! Als er in furchtbarer Frühe (9:00 Uhr) an meiner Wohnungstür klingelte, fuhr ich, wie vom Defibrilator gestochen, aus meinen Träumen, stolperte, nur mit einem T-Shirt und Socken bekleidet (Sorry, dass ich im Bett Socken trage, aber es ist immer noch Winter!), auf der Suche nach meinem Bademantel ins Bad, finde irgendwie in das Ding hinein, bedecke meine Behaarten Schenkel und eine morgendliche Halberektion, und öffne dem Herrn Ableser mit wirrem Haar und zerknautschtem Gesicht die Pforten zu meinem Neuköllner 40-Quadratemeter-Paradies.

„Juten Morjen, Herr Irmbach-Lichterkett!“ brüllt mir ein klein gewachsener Eingeborener mit Latzhose in die schlaffaltige Visage und begehrt Einlass. „Öhm… Morgen. Auf sie habe ich schon gewartet.“ entgegne ich dem Herrn, und verlasse bereits mit dem ersten Satz des Tages den Pfad der Wahrheit. „Ja! Dit seh‘ ick!“ brüllt der Herr zurück, und setzt deeskalierend hinzu „Kann ja ma‘ vorkommen, wa!? Jestern een zu viel jehabt, wa!?“.

Dafür liebe ich die Eingeborenen: brüllen einem schon am frühen Morgen ungeschönt ins Gesicht, was sie denken. In der Annahme, ich könnte mein Zimmer schnell noch etwas besuchsfreundlich gestalten, leite ich Herrn Ableser zunächst ins Bad und haste in mein Zimmer. Mittlerweile habe ich sogar mein Hirn hochfahren können und unterziehe meine Behausung einer raschen Prüfung. Das Ergebnis der optischen Prüfung rät mir, wenigstens die voll gerotzten Taschentücher vom Boden zu sammeln und, zu hoffen, dass der Ableser die herumliegenden Socken, die Turnschuhe, die Westernstiefel, die leeren Flaschen, das Mischpult, den vollen Aschenbecher, den Staubsauger mitten im Raum, die Klamotten, die Kabel und all das, was sonst noch so da liegt, wo es nicht hingehört, übersieht… Die olfaktorische Prüfung ergibt, dass hier ein Mann in den besten Jahren, eine Nacht lang geraucht und ausgedünstet, und seit zwölf Stunden das Fenster nicht geöffnet hat. Ich stürze zum Fenster, die morgendliche Halberektion hat zur normalen Pimmeligkeit zurück gefunden und ist noch immer wirksam bedeckt, und reisse es auf. Es schneit und ist kalt. In meinem Kopf aktiviert sich, völlig unpassend, die Eitelkeits-Routine und sagt: „Westernstiefel kannste heute vergessen!“

Nun stehe ich in meinem Zimmer und habe Westernstiefel im Kopf und Gelumpe am Boden, als Herr Ableser das Zimmer betritt. Ein „Kann ja ma‘ vorkommen, wa!“ vor sich hin murmelnd, wühlt er sich durch meine einzige Zimmerpflanze, die zu einem Drittel aus toten Blättern besteht, liest zügig dieses Ding ab, gibt mir irgend einen Wisch, lässt mich einen zweiten unterschreiben und verlässt „Kann ja ma‘ vorkommen, wa!“ brüllend die Wohnung.

Nun stehe ich hier, nur mit T-Shirt, Socken und einem Bademantel bekleidet, und habe eine unbestimmbare Angst vor dem Rest des Tages. Ich zögere kurz, stolpere über ein Paar Westernstiefel und gehe wieder ins Bett.

 

Der Tag ist noch nicht zu Ende. Ergo: Fortsetzung folgt.

 

*ich habe absolut nichts gegen „Herzscheisse“. Hie und da möchte so ein Herz halt mal ausgeschüttet werden. Dass ich davon nicht schlafen kann, dafür kann die „Herzscheisse“ nun auch nichts.

Und noch mal schnell zu Karstadt am Hermannplatz

Wäre mein Schädel nicht angewachsen, ich würde ihn sonstwo liegen lassen!
Nach meiner vorgestrigen Schlacht in und um Karstadt, ging mir heute auf, dass ich die Hälfte vergessen habe, ich Dödelheimer. Nun gut… moralisch fühle ich mich einigermaßen gewappnet und werfe mich in Parka, Mütze und Stiefel (Wo ist eigentlich mein schwarzer Schal?). Bereit, eine weitere Alltags-Schlacht zu schlagen!

Doch dann kam alles ganz anders: Im Treppenhaus begegnet mir niemand. Kein Hund kläfft, kein Kind schreit. An der Haustür liefere ich mir mit einem Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung einen kleinen Wettlauf darum, wer der Nachbarin mit Kinderwagen die Tür aufhalten darf. Ein Rennen, welches ich knapp, aber eindeutig für mich entscheiden konnte! Auf dem Gehweg befinden sich weder Rafahrer, Ellbogen-voraus-Telefonierer, noch Übermütter oder Hundsgetier. Lediglich mein Hausmeister lungert gekleidet, bandagiert und biertrinkend vor der Haustür herum. Er bemerkt mich nicht und sein Gänsehaut erregendes „Hallöchen“ und die üblichen Schlüpfrigkeiten bleiben mir erspart. Beim Buchhändler in der Weserstraße habe ich den Auslagentisch für mich. Nur wenige Fußgänger warten an der Ampel Urbanstraße/Kottbusser Damm. Ich entscheide mich, auf ein grünes Signal zu warten und alle warten mit mir. Einer pfeift ein Liedchen vor sich hin. Die Sonne scheint.

Am Eingang Urbanstraße sehe ich von der anderen Straßenseite den Bus davon fahren. Niemand wartet in oder vor dem Eingang zum altehrwürdigen Kaufhaus. Ich habe freie Bahn! Zuerst gehe ich zum integrierten Bücher-Höker und finde schnell ein Buch von dem ich glaube, dass es einem Zwölfjährigen gefallen könnte (ob es dem Lümmel tatsächlich gefällt, sehe ich dann. Über 400 Seiten können in dem Alter durchaus abschrecken. Da es jedoch um einen dreizehnjährigen Piraten geht, hege ich gewisse Hoffnungen). An der Kasse warten lediglich drei Kunden vor mir. Darunter zwar eine eingeborene Matrone, die ein berlinisch-höfliches Gekeife über zu viel Kleingeld anstimmt, doch die freundliche Kassendame wechselt, ausnahmsweise zwar, doch umgehend die Kleingeldsammlung der Matrone in „richtjet Jeld“.

Nun habe ich noch im Supermarkt im Kellergeschoss eine feinkostmäßige Besorgung zu erledigen. Auf der Rolltreppe nach unten stehen alle brav auf der rechten Seite und bemühen sich sogar, noch mehr Platz zu machen während ich die Rolltreppe herunter galoppiere. Das Regal mit den Konfitüren ist rasch gefunden und zwei ausgesucht exklusive Produkte zu ebenso ausgesucht exklusiven Preisen sind schnell ausgesucht.

An der Kasse angekommen, kann ich mir aussuchen, welche von zwei untätigen Kassiererinnen ich mit meinem Konfitüren-Kauf aus den Tagträumen befördern darf. Ich zahle einen Betrag, von dem ich mich in schlechteren Zeiten auch durchaus mal eine Woche ernähren kann. Es wird beiderseits artig bitte und danke gesagt sowie ein schöner Tag gewünscht und ohne nennenswerte Zwischenfälle komme ich nach Hause.

Nun sitze ich hier, ich armer Teilzeit-Misanthrop, bei einer Kanne Tee und einem Zigarettchen im warmen Kämmerlein, blogge vor mich hin, und habe echt richtig schlechte Laune!

Zusatz: Dieser kleine Aufsatz ergänzt einen vorherigen Aufsatz, der sich ebenfalls mit dem Thema „Einkaufen bei Karstadt am Hermannplatz“ auseinander setzt.

Dem geneigten Leser Kongo Müller, der es gerne mal ganz genau wissen will, sei gesagt, dass es sich beim heutigen Buchkauf um den Jugendroman „Unter der Totenkopfflagge – Die Abenteuer des Paul Pomeroy“ von Markus Schowe handelt. Hab jetzt drei Rezensionen gelesen. Kommt ganz gut weg, der Schmöker.

Mal eben zu Karstadt am Hermannplatz…

Ich hatte heute zwei mal, je eine Stunde, beruflich am Reuterplatz, Neukölln zu tun. Da ich dort auch glücklicherweise wohne, betrug mein Arbeitsweg (80 Stufen runter, 100 Meter gehen, 80 Stufen rauf) nur vier Minuten. Der Hölle, in Berlin BVG genannt, wurde ich nicht einmal angesichtig. Das Rad blieb abegschlossen und verschneit im Hof. Zwischen den zwei Stunden hatte ich eine Stunde Freizeit, die ich sinnvoll mit Bücherkaufen bei Karstadt am Hermannplatz verbringen wollte, statt mir zusätzliche 80 Stufen zu meiner Wohnung aufzubürden, nur, um diese kurz darauf wieder zu verlassen.

Von mir zu Karstadt sind es 400 Meter. Trotz Schnee, ein kurzer Weg. Dachte ich… Mein Weg führte mich an einem Waschsalon vorbei. Humorvolle Strolche hatten aus der Waschsalonbeschriftung am Fenster jedoch einen „Naschsalon inkl. Naschpulver“ gemacht. Als ich die Tür des Naschsalons passierte, passierte das, was einem ständig passiert: Ein unachtsamer Mensch trat energisch, den Ellbogen voran, das Mobiltelefon am Ohr, aus der Tür direkt vor meine Füsse. Ich musste jäh auf den ungeräumten Teil des Gehweges ausweichen und kam dort, trotz profilbewehrten Schuhwerkes ins Schliddern und strauchelte heftig. Der Unachtsame Telefonierer bedachte mich mit einem berlinisch-freundlichen „Ey Alta! Kannste nich uffpassen wo de hinlatschst?!“ Ich widerstand dem dringenden Bedürfnis, dem Knaben mein profilbewehrtes Schuhwerk in die Körpermitte zu treten und stapfte durch den Schnee davon. Gleich an der Ecke zum Reuterplatz wollte ein Radfahrer mit einem dieser modischen Räder an denen quasi nur die zum Fahren notwendigsten Teile und sehr schmale Reifen sind, kurz vor mir auf den Gehweg flitzen. Er übersah, ob des Schnees, jedoch die Bordsteinkante, fuhr sie aus zu spitzem Winkel an und legte sich folgerichtig auf die Klappe. Da lag er mir nun mit seiner hässlichen Funktionskleidung und seinem drahtigen Drahtesel im Weg und fluchte. Ich bedachte ihn mit einem freundlich-berlinischen „Mannmannmann! Kannste nich kucken, wo de hinfährst!?“ und stapfte meiner Wege.

Gleich in der Weserstraße gibt es eine kleine, freundliche Buchhandlung, welche gebrauchte Bücher zu Schleuderpreisen verschleudert. An deren Auslagen bleibe ich grundsätzlich stehen, um zu sehen, ob es was feines für mich gibt. Doch heute war der Auslagentisch auf dem Gehweg von so genannten Übermüttern blockiert. Übermütter sind jene Kreaturen, die es sich aus Gründen, die ich nicht wirklich nachvollziehen kann/will, leisten können den ganzen Tag in der Nähe von Bioläden, Milchschaum-Höllen und Yoga-Zentren herum zu hängen. In dem unerschütterlichen Bewusstsein, der Menschheit qua Vermehrung einen unschätzbaren Dienst geleistet zu haben, und brettern mit ihren Kinderwagen, modisch-individuell gekleidet, alles um, was sich nicht schnell genug in einen Hauseingang, auf die Straße, oder ins nächste Gebüsch retten kann, selbstbewusst über den Haufen. Nur wenn sie auf Artgenossinnen treffen, werden Übermütter unter einander handzahm. Dann wird mittels der Kinderwagen der komplette Gehweg blockiert und es werden tuschelnd Neuigkeiten über Mischa, den Yoga-Lehrer, Biogemüse und den neuen Pilates-Kurs ausgetauscht.

So geschah es denn auch vor „meinem“ Buchhändler. Mittles zweier Kinderwagen und einem Hund an einer Freilaufleine wurden Geh-, Radweg und Auslagentisch wirkungsvoll komplett blockiert. Komischerweise ist der, ansonsten recht pöbelfreudige, Insasse Berlins bei derartigen Konstellationen in seiner Pöbelleidenschaft gehemmt und umgeht derartige Blockaden grummelnd. Ich tat ihm gleich, da ich mir eh die karstädtische Bücherhölle zum Ziel gewählt hatte.

Der nächste Ellbogen-voraus-Telefonierer latschte mir ein paar Meter weiter vor die Füße. Er trug Sackhosen der Deppenmarke „Sean John“ und eine Jacke mit dem Aufdruck „Pimp“, dem amerikanischen Slangwort für Zuhälter. Ich dachte mir „Pimmel“ wäre eingetlich die richtige Beschriftung, überholte den Löffel und versuche seitdem ihn zu vergessen.

An der Kreuzung Urbanstraße/Kottbusser Damm angekommen, herrschte dort die übliche Betriebsamkeit plus vorweihnachtlicher Hektik. Neben mir, an der Ampel, fachsimpelten zwei türkische Matronen in geschliffenstem Deutsch, ob es sich beim aktuellen Niederschlag nun um Schnee oder Sprühregen handele. Still entschied ich mich für Schnee und ging bei Rot. Dadurch ermuntert rauschten nun auch alle anderen wartenden Lemminge Fußgänger über die rote Ampel. Nahenden Kraftfahrzeugen wurde keine Wahl gelassen. Lediglich die Latte-Macchiato-Mütter blieben, sich der Vorbildfunktion für ihre Brut bewusst, an der Bordsteinkante stehen und hielten die restlichen Fußgänger auf.

Möchte man die Karstadt-Filiale am Hermannplatz vom Eingang Urbanstraße betreten, hat man, besonders bei Niederschlag, ein Problem. Direkt vor dem Eingang befindet sich eine Bushaltestelle. Die Wartenden verteilen sich bei gutem Wetter geschickt über Geh- und Radweg, sodass man einen komplizierten Slalom laufen muss, um das Kaufhaus zu betreten. Schlägt es jedoch, wie heute, nieder, versammelt sich die wartende Schar komplett im Eingang zum Kaufhaus. Dass dort eventuell noch Kunden ein- und ausgehen möchte stört dort absolut niemanden und so mancher stellt sich schicksalsergeben einfach dazu bis er endlich vom eintreffenden Bus erlöst wird.

Da auch ich, nach meinen Jahren in Berlin, vom Proll-Down-Syndrom* befallen bin, raufte ich mich in der Gewissheit durch, nur das karstädtische Erdgeschoss benutzen zu müssen, und nicht auch noch die Rolltreppe genannte Unbill.

Meine drei Bücher hatte ich, trotz des Weihnachtsrummels, in der abscheulichen Dekoration erfreulich rasch gefunden. Nur noch bezahlen und raus hier! Nix da! Höhere Mächte haben vor das Bezahlenundraushier das Anstellen gesetzt. Meines Mutes nun vollständig beraubt, stellte ich mich als ungefähr Fünfzehnter in die Schlange der Wartenden. Der deprimierende Trauerzug näherte sich in winzigen Schritten der erlösenden Kasse, als ich auf einem der Aktionstische (die Buchhandlung bei Karstadt besteht quasi nur aus Aktionstischen!) ein ansprechend aussehendes Buch über Irland erblickte. In der Hoffnung, dort mit einheimischen zu singen und saufen, trage ich mich in letzter Zeit immer öfter mit Plänen Irland zu bereisen. Ich machte einen halben Ausfallschritt, um das Buch zu begutachten, hielt es für ungeeignet und wollte meinen Platz in der Reihe wieder einnehmen. Gnadenlos hatte sich die kleine Lücke, die ich meiner Neugier wegen hinterliess, geschlossen. Die Blicke der Wartenden sprachen eine deutliche Sprache: „Hier kommste nich mehr rin, Männeken!“. Mit eingekniffnenem Schwanz stellte ich mich wieder hinten an. Diesmal war es circa Platz fünfunzwanzig. Ich widerstand dem Bedürfnis, dem eigentlich sehr freundlichen Kassierer, einen der dort angebotenen Fernsehturm-Lollies ins Rektum zu rammen, bezahlte, prügelte mich durch den Ausgang, rannte ein paar Übermütter über den Haufen und erstand knurrend beim Gebrauchtbuchhändler eine ausgesucht hübsche Ausgabe von „Per Anhalter durch die Galaxis“. Den nächsten Telefonierer, der im Weg stand, konnte ich mit einem beeindruckenden Raucherhusten in die Flucht schlagen und bin nun glücklich, für dieses Jahr mein erstes Weihnachtsgeschenk erstanden zu haben!

*prächtige Wortschöpfung von Wiglaf Droste, die beschreibt, dass der hinzugezogene Berliner sich irgendwann zwangsläufig genau so pöbelig-pampig aufführt wie der Eingeborene.

Hinweis: Das Foto wurde morgens aufgenommen. Daher ist vom üblichen Trubel nicht viel zu sehen. Um diese Zeit ist der gemeine Neuköllner auf dem Amt oder noch im Bett.

Noch ein Hinweis: Zwei Tage später fiel mir ein, dass ich was vergessen habe und da noch mal hin musste.

Hier hagelt es ja förmlich Hinweise: Karstadt am Herrmanplatz ist übrigens das älteste Kaufhaus Berlins. Hier gibt es die durchaus lesenswerte Geschichte (Danke, Luigi).

Berlin: Winter? Könn‘ wa nich!

Winter ist in Berlin eigentlich eine feine Sache. Besonders dann, wenn es schneit. Gnädig werden fiese Hinterlassenschaften auf Straßen und Gehwegen unter einer weissen Decke versteckt und einige der Insassen begeben sich nur, wenn es absolut notwendig ist, vor die Haustür. Autos müssen stehen bleiben, weil die Räumdienste den Schnee von der Straße zu einem kleinen Wall neben den parkenden Fahrzeugen auftürmt. Allerorts kann man schmunzelnd beobachten, wie die Piloten hinterradgetriebender Vehikel verzweifelt versuchen diesen Wall zu überwinden. Meist geben sie erst auf, wenn der blecherne Liebling anstatt vorwärts, seitwärts zu rutschen gedenkt und den benachbarten Blechhaufen gleich mehrfach touchiert.

Mitunter ist man nun gezwungen, den ÖPNV zu nutzen, also auch die S-Bahn. Die Berliner S-Bahn ist jedoch für ihre Anfälligkeit gegen kleinere Störungen durchaus bekannt. So durfte ich dann nach zwei Tagen Schneefall (20 cm) ein in Berlin quasi geflügeltes Wort mal wieder hören: S-Bahn-Chaos!

Ein S-Bahn-Repräsentant dazu im Radio: „Einige Weichen lassen sich wegen dem Schnee nicht mehr verstellen. Natürlich haben wir beheizbare Weichen! Wenn jedoch Schnee, Kälte und Wind zusammen kommen, ist das einwandfreie Arbeiten der Weichenheizungen nicht mehr gewährleistet.“ Hm… ist die Kombination Schnee, Kälte, Wind nicht ein Winter-Standard? Nunja, die Berliner S-Bahn Betriebe gehören der Deutschen Bahn AG. Das ist der selbe Verein, der sich im Sommer bereits wunderte, dass Temperaturen über 30°C  entstehen können. Also, die selben Weitblicker, die uns seit Jahren weis machen wollen, eine Privatisierung der Bahn wäre gut für den Kunden.

So muss der gemeine Berliner sich nun doch wieder privat durch hauptstädtische Straßen schleppen und verhält sich dabei ähnlich winterlich-versiert wie die Spezialisten der Bahn AG. Autofahrer vermeiden überflüssig scheinende Bremsmanöver, wo es nur möglich scheint. Heisst: Es wird nur an roten Ampeln, hinter Polizeifahrzeugen und bei drohender Kollision mit deutlich größeren Fahrzeugen gebremst. Um diesem kraftfahrerischen Irrsinn zu entgehen, türmt der Radfahrer auf die nur selten ausreichend geräumten Gehwege, um dort unsicher schlingernd Angst und Schrecken zu verbreiten. Da wird dann, dem Vierrädrigen Feind gleich, jedes Bremsmanöver vermieden und „Vorsicht!“ brüllend der nächste Fußgänger umgemäht.

Gerade letzte Woche ermahnte unser Spaß-Bürgermeister Wowereit noch die Hausbesitzer sorgfältig zu räumen, da es im Falle von Unfällen sonst teuer werden könnte. Im Falle meines Hausmeisters sieht das dann so aus:

07:30 Uhr: Stuhlgang

08:00 Uhr: Aufstehen

08:00 Uhr: Anziehen und Bandagieren bis…

10:00 Uhr: Räumdienst anrufen, Frühstücksbier öffnen

10:15 Uhr: Biertrinkend und unflätig fluchend vor der Haustür stehen und auf den Räumdienst warten

Kommt dann, irgendwann bei Flasche 4 oder 5 der Räumdienst, poliert dieser die, mittlerweile fest getretene, Schneedecke einmal richtig schön glatt, würzt diese mit etwas Streusalz, aufdass sich bald eine feine Eisschicht bilde, und trollt sich seiner Wege. Der Hausmeister grunzt, zufrieden, ob des verrichteten Tagwerks ein „So! Nu is jeräumt!“ in Flasche Nummer 6, geht zum nahen Lidl und besorgt Nachschub.

Mir bleibt jetzt nur zu hoffen, dass der Landwehrkanal bald richtig zu gefroren ist und ich einen meiner häufigsten Wege auf diesem bestreiten kann. Da bin ich vor Auto- und Radfahrern relativ sicher. Relativ!

Sehr geehrter Simon Pausch (welt.de)

VfL Osnabrück – Hertha BSC 2:0 (19. Nov. 2010)

 

Eine kluge Frau sagte einmal „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Klappe halten!“. Ein Satz, der mir spontan durch den Kopf ging, als ich gestern Ihr arrogantes Geschreibsel auf welt.de las (Dank für den Hinweis an Stan). Sie besudelten behandelten dort die Tatsache, dass der Bezahlsender Sky gestern, anstelle eines vermeintlich hochkarätigen Bundesligaspieles ein „Gekicke in der Osnatel-Arena (auch das noch!)“ in 29 Länder übertragen musste. Geschuldet war diese Übertragung der Tatsache, dass die überbezahlten Diven Bundesligaprofis nach dem Länderspiel wohl ein Päuschen brauchten und das Freitagsspiel auf Samstag verlegt wurde. Verträge mit Sky verlangten jedoch, dass am Freitagabend gespielt wird. Man zeigte ein, in Ihren Augen offenkundig unerträgliches, Zweitligaspiel: VfL Osnabrück gegen Hertha BSC.

Statt ein Duell unter Teilnahme vermeintlicher Hochkaräter wie Werder Bremen oder Schalke 04 über den grünen Klee loben zu dürfen, erklärten Sie Ihrer, offenbar ebenso ahnungslosen, Leserschaft: „Osnabrück, das ist niedersächsische Provinz. VfL Osnabrück, das ist Rumpelfußball trotz lilafarbener Trikots. Derzeit steht der Aufsteiger auf Tabellenplatz 15, was ungefähr den Erwartungen und den Fertigkeiten der Spieler entspricht. Zuletzt gab es daheim ein 0:0 gegen Karlsruhe. Schöne Grüße nach Amerika!“

Rumpelfußball trotz lilafarbener Trikots??? Lesen Sie den Käse eigentlich noch mal durch, bevor Sie ihn der Netzöffentlichkeit zumuten? Soll das bedeuten, dass wenn man ein lilafarbenes Trikot überstreift, gleich einer überbezahlten brasilianischen Fußball-Diva über den Platz zu tänzeln und zwischendurch ein paar theatralische Schwalben hinzulegen hat? Wird man etwa für derart sinnentleertes Geseier für den Online-Grimme-Award nominiert? Ferner befürchteten Sie, dass der Ruf der Nationalmannschaft unter den Fußballkuckern gleich weltweit  ruiniert werden könnte: „Sie werden den positiven Eindruck, den sie bei der WM in Südafrika vom deutschen Fußball gewonnen haben, revidieren.“

Fragen Sie doch mal bei Hansa Rostock, dem HSV oder BVB an, was sie letztes Jahr im DFB-Pokal gegen die Rumpelfußballer in den lilafarbenen Trikots aus der niedersächsischen Provinz erleben mussten.

Ich nehme mal an, dass Sie, ob ihrer seherischen Fähigkeiten, das Spiel gestern Abend nicht gesehen haben. Ich habe! Eigentlich hatte ich das Spiel in meiner Abendplanung gar nicht vorgesehen, doch ein wunderbarer Zufall und meine reizende Begleitung wollten, dass ich in der Bar 11 in Kreuzberg landete. Was ich dort sehen durfte war temporeicher, hoch attraktiver Fußball. Zahlreiche Angriffe auf beiden Seiten, Grätschen, Tätlichkeiten, in einander krachende Knochen und zwei schöne Tore. 1A-Zweitligafußball!

Und dann noch das Ergebnis: Mit einem hoch verdienten 2:0 schickten die Rumpelfußballer in den lilafarbenen Trikots Tante Hertha auf die A2 zurück!

Natürlich spielt der VfL nicht immer attraktiv. Mit einem verschossenen Elfmeter und zwei Eigentoren, ausgerechnet gegen den verhassten Lokalrivalen Arminia Bielefeld am letzten Wochenende, bekleckert man sich nicht gerade mit Ruhm. Kuckt jedoch die Welt zu, darf die Welt sehen, dass der von Ihnen im Vorfeld in die Bedeutungslosigkeit geblubberte Zweitligafußball höchst attraktive Spiele bieten kann. Aber Sie haben’s ja wohl nicht gesehen…

VfL-Trainer Karsten Baumann findet übrigens, interviewt von NOZ-Sportchef Harald Pistorius, auch sehr deutliche Worte zu Ihrem Senf in diesem Video nach dem Klick.

Zusatz: Oops! hatte gar nicht auf dem Zettel, dass die Krisentruppen Schalke und Bremen heute gegen einander spielen. Und vor allem nicht, dass das derzeit blinde Huhn Schalke gleich 4 Körner findet. Trotzdem komme ich nicht umhin auf diesen Magath-Cartoon von Oli Hilbring hin zu weisen.

Blöde Blogger zeigen ihr Hauptquartier in Streetview

Im Moment ist sich gesamt Kleinbloggersdorf hierzulande nicht zu blöde, leicht verzogene, etwas unscharfe Bilder von Hausfassaden zu zeigen. Hausfassaden hinter denen sie an ihren Rechnern hocken und bloggen.
Liebe kleinefeine Leserschaft, mir flattert so einiges in meinen Reader, was mich unheimlich anödet, die Bilder von Bloggerhausfassaden toppen das tatsächlich um Längen!
Um dieser geballten Ödnis noch einen drauf zu setzen, gibt’s hier jetzt die Fassade hinter der ich sitze. Prächtig verpixelt:

Gitarre verloren

Manchmal bin ich etwas dödelig. Gestern zum Beispiel, habe ich es völlig versäumt den Wochenendeinkauf zu erledigen. Als ich heute in der Frühe um 16.00 Uhr meine leicht geröteten Sehschlitze in den Kühlschrank richtete, sah ich mich wider Willen gezwungen, den sicheren Bau zur Nahrungssuche zu verlassen. Als ich ein kleines Speiselokal in meiner Nachbarschaft passierte, hörte ich einen der dort mampfenden Gäste sagen „Die Wurst im Mund ist besser als der Spatz in der Hand!“. Max Goldt würde so etwas eventuell als knusprigste Realitätsnähe bezeichnen. Da ich es auch nicht besser formulieren kann, lasse ich diesen kleinen Satz unkommentiert.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Ich kann und will nicht verleugnen, dass ich nicht auch schon den einen oder anderen Rauschzustand hinter mich gebracht hätte. Aber angesichts des Fotos, welches ich eben während der Nahrungssuche schoss, frage ich mich schon „Wie besoffen kann man eigentlich sein?“.

Lobhudelei bis ins Grab: Bar 25 – Der Film

Endlich hat der am ausgiebigsten überbewertete Club der Welt, die Bar 25, die Tore ein- für allemal schliessen müssen, da steht der Zombie schon wieder auf. Dieses Mal nicht hyperhedonistisch-selbstverliebt hinter der restriktivsten Clubtür der Welt, elitär in feinster Uferlage, als alternativ getarnt, unter einem Fähnchen mit der durchaus verlogenen Aufschrift „Spreeufer für alle!“, sondern als Film:

“Bar25 – Der Film” ist ein Liebeslied an einen vergangenen Ort im Herzen Berlins. Er beschreibt das Lebensgefühl einer freien Gemeinschaft, die mit Musik, Kreativität, Eigensinn und unermüdlicher Energie eine Brache an der Spree in ein fantasievolles Wunderland verwandelte, das in der Welt seines Gleichen sucht. Fernab gesellschaftlicher Konventionen und mit einem eigenen Gefühl für die Zeit. Zwischen Hautnah und Gänsehaut, zwischen Dunkel und Stroboskop begleiten wir unsere Protagonisten vom Kopfkissen bis in den nächsten Tag.
250 Stunden atemberaubendes und emotionsgeladenes Filmmaterial aus sieben Jahren liegen vor uns und warten darauf verarbeitet zu werden. Nun sichten, digitalisieren, schneiden, vertonen, farbkorrigieren, lizensieren und belichten wir. Wir wollen den Film jetzt herstellen, damit wir ihn im kommenden Jahr auf den Film Festivals dieser Welt und vor allen Dingen Euch zeigen können.“

Am nötigen Kleingeld (25.000 €) fehlt es dem Projekt jedoch noch. Daher sucht Inkubato Idioten Spender, die bereit sind, freiwillig ihr Taschengeld in dieses Projekt zu blasen. Von mir seht ihr keinen müden Cent!

Warum das so ist, könnt ihr hier lesen.

(via)

Es ist Herbst!

„Der graue Meister Herbst ist da und stoppt der Seelen Flüge. Die Menschen werden sonderbar und schmeissen sich vor Lachen.“

Dieses Gedicht veröffentlichte Thomas Gsella letzten Herbst in der Titanic, nach dem sich der Tormann Enke mittels eines Zuges das Leben nahm. Ein lieber Freund und ich re-veröffentlichten das Gedicht bei Facebook mit einem Titanic-Onlinetitel, der Mario Barth zeigte nebst der Überschrift „Trendsport Suizid – Wann springt er auf den Zug auf?“ Eigentlich sind wir beide hinlänglich bekannt dafür, dass wir für einen guten Witz weder Geschmack, noch Freundschaft achten. Doch mit dem FB-Thread handelten wir uns doch eine Menge Ärger seitens unserer Freunde und Friends ein. Pietät- und geschmacklos seien wir… Nun denn, bis heute ist ausreichend Gras darüber gewachsen.

Sicherlich wäre es angemessener gewesen, diesen Beitrag mit Georg Trakls Herbstlied zu beginnen, denn eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass ich mich sehr über den Herbst freue. Und noch eigentlicher ist diese Erwähnung keinen Blogbeitrag wert, denn Wetter und Jahreszeiten sind nunmal unausweichliche Phänomene, mit denen man klar zu kommen hat ohne in großes, wortreiches Gejammer aus zu brechen. Als Facebook-Patient bin ich diesem Gejammer jedoch schonungslos ausgesetzt. Zwei Tage Regen und Temperaturen unter 10° waren für so einige Freunde und Friends schon Anlass genug…

Ich finde den Herbst super! Endlich ist der gesellschaftliche Zwang perdü, sich permanent in irgend welchen Parkanlagen auf insekten-, hundescheisse- und idiotenverseuchen Grünflächen herum lümmeln zu müssen und dort angebliche Kaltgetränke zu sich zu nehmen, deren Temperatur doch faktisch eher an die von Urin erinnert! Endlich vorbei die Zeit, wo man seine Habseligkeiten allesamt in die Hosentaschen stopfen, oder zu jedem, noch so kleinen Anlass, ein Tasche mit sich herum schleppen musste!

Im Herbst gehe ich viel lieber nach draussen. Alles, was ich dazu brauche, findet bequem in einer Jacke Platz. Die kühle Luft ist viel erfrischender als dieser überhitzte, Schweiss treibende Mist im Sommer. Und überhaupt, dieser Zwang, ständig unzureichend bekleidet und schwitzend in der Öffentlichkeit herum zu lungern, ist wie vom Herbstwind weg geblasen. Keiner muss mehr ungepflegte Männerfüße in abscheulichen Survival-Sandalen* mit ansehen. Der Anblick cellulitebefallener Fleischschenkel bleibt einem für mindestens sechs bis acht Monate erspart. Das ist doch einfach nur wunderbar!

Niemand pflaumt mich mehr an, wenn ich Tage lang vor einem pervers großen Fernseher hocke und Serien kucke, ein Buch nach dem anderen lese, oder mich mit Musik beschäftige. Gehe ich dann vor die Tür, kann ich endlich wieder meine geliebten Biker-Stiefel und meinen ebenso geliebten Parka tragen.

Erst letztes Wochenende hatte ich in charmanter Begleitung einen köstlichen Herbsttag an der Spree und im Treptower Park. Buntes Laub und kühle, frische Luft ohne Ende! Zwischendurch kehrt man auf einen Irish Coffee ein und wärmt sich auf. Im Idealfall wartet zu Hause ein kräftiger Eintopf, oder, wie in meinem Falle, der erste selbst gemachte Sauerbraten. Danach hört man sich die neuesten Mixtapes vom Don oder das neue Album von Les Hommes Sauvages (ein ganz vortrefflicher Herbst-Soundtrack!) an, kuckt ein paar Folgen Breaking Bad, liest Coma von John Niven (hervorragend übersetzt von Stefan Glietsch) oder Unfun von Matias Faldbakken (der 3. Teil der Skandinavischen Misanthropie) während man ein Heissgetränk schlürft.

Herbst ist super, Leute! Probiert es einfach mal aus und lasst euch drauf ein. Weitere Fragen zum unbeschwerten Überstehen der Herbst/Winter-Saison beantworte ich gerne in den Kommentaren.

* dafür müssen wir jetzt wieder diese abscheulichen Uggs ertragen. Jede Jahreszeit hat halt ihre ästhetischen Tücken

(Text und Bilder sind von mir und dürfen mit Nennung und Verlinkung der Quelle für nichtkommerzielle Zwecke genutzt werden. Alle Bilder wurden mit einem Mobiltelefon und der App „Vignette“ gemacht)

Officer Bubbles und andere schwachsinnige Ordnungshüter

Ich weiss ja nicht, verehrte Leserschaft, ob ihr von Officer Bubbles gehört habt… Dieser hat, während der G20-Proteste in Toronto eine junge Frau verhaftet, weil sie ihn mit Seifenblasen attakiert hat. MIT SEIFENBLASEN ATTAKIERT!!! Ich habe keine Ahnung, wie es um den technischen Fortschritt in Toronto bestellt ist, vermute jedoch, dass Officer Bubbles, ob der Globalisierung, Kameras und Videoportale durchaus kennt…

Seht selbst:

Das Video geistert nun durch die gesamte Netzwelt, wird wild persifliert und nun gibt es sogar einen Officer-Bubbles-YouTube-Kanal. All das ist Officer Bubbles nun zu viel geworden. Er fühlt sich zu einem nicht mehr zu tolerierenden, belästigenden Ausmaß verspottet und klagt auf die Herausgabe des Namens des YouTube-Users. Damit nicht genug: Für derartige Diffamierungen will er nun auch noch 1,25 Millionen Dollar von YouTube haben. Officer Bubbles reagiert mal wieder über.

Anderen polizeilichen Schwachsinn durfte ich kürzlich in der Nähe meiner Haustür beobachten. Ich wohne an einer Kopfsteinpflasterstraße im hübschen Neukölln. 30 km/h sind hier angesagt und die wenigsten halten sich daran. Da die vierspurige Straße ein paar Meter weiter, gerne von Zweitereiheparkarschgeigen ihres eigentlichen Sinns, dem zügigen Vorwärtskommen, beraubt wird, wird meine Straße gerne als Umgehung benutzt. Als ich meine Kemenate zum Einholen verliess wurde ich zweier Polizeibeamter ansichtig. Der eine saß im Einsatzfahrzeug, sein Kollege stand an der Straße. „Fein!“ dachte ich. „Endlich wird auch mal im Problemkiez geblitzt!“ Pustekuchen! Während also der Beamte 1 im Einsatzfahrzeug einer nicht sichtbaren Tätigkeit nach ging, stand der Beamte 2 allen Ernstes an der Straße und wies die vorbei bretternden, geistig, wie physisch Tiefergelegten mit freundlichen Handbewegungen darauf hin, dass man hier doch bitte langsam fahren möge. Die Gesichter der Atofahrer hättet Ihr sehen sollen. Erst verdutzt, dann sichtlich erheitert, dann entschlossen blicken und kräftig auf’s Gaspedal treten.

Ich war weder entschlossen noch erheitert, sondern nur verdutzt. Da stehen die herum, kosten eine Stange Geld und werden ausgelacht! Nun gut. Das kann passieren. Vielleicht war gerade kein Blitzgerät zur Hand, die Beamten durften sich aus disziplinarischen Gründen zum Horst machen, oder was weiss ich… Gebracht hat diese Aktion jedoch exakt nichts. Kopfschüttelnd ging ich meiner Wege.

Richtig ärgerlich wurde dieser Mist zwei Tage später. Wie erwähnt, ist meine Straße mit Kopfsteinen bepflastert. Mit dem Rad ist sie nahezu unbefahrbar. Die Bürgersteige sind jedoch sehr breit und wenn der Radfahrer sich zu benehmen weiss, kommt man auch keinem Fußgänger in die Quere. Ich fahre ein recht altes Schmuckstück. Ein Hollandrad. Würde ich mit dem täglich 200 Meter auf meiner Straße fahren, müsste ich alle zwei Wochen sämtliche Schrauben nachziehen, ansonsten würde mir mein Prachtstück baldigst unter dem Hintern zusammen brechen. So fahre ich denn in sehr gemäßigter Geschwindigkeit über den Gehweg und, um es mit Dendemann zu sagen: „Jeder bewegt sich, keiner wird verletzt.“

Grund meines Ärgers war eine ordnungshüterische Viererkette quer über den Gehweg: Ordnungsamtsdame – Polizist – Ordnungsamtsdame – Polizist. Diese schmissen sich quasi vor alles, was da Rad fuhr und kassierten gnadenlos im Dreiminutentakt ab.

So, liebe Ordnungsmächte, macht ihr einem umweltfreundliches Radfahren und friedliches Demonstrieren so richtig attraktiv! Der Fahrer des Sprit saufenden SUV (Ein Musthave, so man über ein Erbsenhirn und jämmerlich kleine, primäre Geschlechtsmerkmale verfügt!) wird freundlich ermahnt, das radelnde Volk darf blechen!

Mich wundert’s nicht, dass man solchen Pfeifen gerne mal eine leere Plastikflasche an den Helm werfen möchte!

(zum Teil via, Bubbles direkt)

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