Archive for the ‘ Berlin ’ Category

Drogenkonsum? OK, aber…

Ich bin vermutlich der letzte Mensch, der irgend etwas gegen Drogenkonsum zu sagen hätte. Ich nehme selber Drogen. Manchmal gar nicht. Manchmal in für mich vernünftigem Maße und manchmal auch einfach zu oft. Drogen sind aber eigentlich für einen charakterlich und gesundheitlich fitten Menschen ein ganz feine Sache. Sie helfen zu entspannen, sie öffnen Türen, sie lenken ab, sie inspirieren, sie machen hemmungslos, sie machen geil, sie machen Spaß.

Wenn ich aber diesen Typen sehe, den ich nun seit über zwei Jahren kenne, der mein Freund hätte werden können… Es ist einfach nur noch furchtbar! Von Donnerstag bis Montag ist er durchgehend auf jeglichem Zeug, dessen er habhaft werden kann, durchgehend betrunken. Dann sitzt er da, in seinen kaputten Jeans, die er seit zwei Wochen nicht mehr gewechselt hat, verbirgt seine halb geschlossenen, roten Augen hinter einer 3-Euro-Sonnenbrille, mäkelt ohne Unterlass an den Leben seiner Mitmenschen herum, mischt sich ungefragt in die Gespräche anderer, brabbelt selbstherrlichen Dreck mit erstaunlicher Konsequenz am Thema vorbei und nervt einfach, geht quasi jedem in seiner Nähe auf den Saque und merkt es nicht einmal. Da helfen auch keine dezenten bis überdeutlichen Hinweise.

Pule ich mein Telefon aus der Tasche um eben meine Mails zu checken oder eine SMS zu beantworten, bin ich umgehend einem Schwall verbaler Scheisse ausgesetzt. Praktisch jedes Mal, wenn er mit bekommt, dass ich anders handele, als es in seinem wirr-kruden Weltbild vorgesehen ist, bekomme ich eine grottendumme, gelallte Ansprache zu hören, die an Unerträglichkeit kaum zu überbieten ist. Ein freundlicher Hinweis meinerseits, dass es sich um meine Art zu leben handelt, die ich mir für mich (und nur für mich!) zurecht feile, wird mit einem noch größeren Haufen wirren Unsinns beantwortet. Oft bleibt nur die Flucht. Die Flucht an einen Nachbartisch ist dabei in der Regel nicht ausreichend. Da wird hemmungslos die Lautstärke um ein paar Dezibel erhöht und der geistige Müll wird, noch mehr Mitmenschen nervend, durch den ganzen Laden krakeelt.

Die Bar in der er regelmäßig auftaucht, besuche ich zum Glück nur selten, Aber ich besuche sie! Und ich habe nicht die geringste Lust, darauf zu verzichten. Dort sind nette, tolerante Menschen, die ich gerne mal zufällig treffe. Taucht dieser Mensch dort auf, wird es schlimm dort. Die erste Stunde mag noch gehen. Ist er jedoch zwei- drei Mal auf dem Klo verschwunden und hat die entsprechende Menge Gin im Schädel wird es nur noch ekelhaft. Da sitzt er dann draussen vor der Bar, brüllt, keine zwei Meter von einer Familie mit heranwachsenden Kindern, dass sein Koks-Dealer ein beschissenes Nazi-Arschloch sei, weil er es wagt, zur gewünschten Konsumzeit nicht in seiner Wohnung zu sein. Dass er das Koks jetzt dringend braucht, weil das LSD scheisse, und das Speed alle ist. Man muss mit ansehen, wie er seine Familie ruiniert, lautstark auf Abmahnungen seines Arbeitgebers pfeifft, seine Mitmenschen als Loser oder Penner beschimpft und sich dabei seinen Gin über die stinkende Jeans kippt…

Jetzt mag die kleinefeine Leserschaft fragen: „Irmbach-Lichterkett! Wieso versuchst du nicht dem Kerl zu helfen? Wieso redest du nicht mal Klartext mit ihm?“ Die Antwort ist so einfach wie brutal: ich habe keinen Bock! Ich könnte meine Brandrede ebenso gut in die nächste Parkuhr sprechen und mich dort der Illusion eines aufmerksamen Zuhörers hingeben. Ich habe keinen Bock mich als Penner und Loser beschimpfen zu lassen, nur weil mein Lebensstil nicht in sein krudes Weltbild passt. Ich habe keinen Bock, Kraft aufzubringen für einen Menschen der sich auf LSD, Speed, Wasweissich und jeder Menge Gin für allwissend und die einzig gültige Wahrheit hält. Denn genau das wird er tun, bis er in seine verdammte Holzkiste fährt! Und, Scheisse!, dann stehe ich doch da und frage mich, warum ich mich genervt umgedreht habe und weg gegangen bin. Dann kommt er, der alte Schweinehund Schlechtes Gewissen. Dann stehe ich da und muss mich mal wieder scheisse fühlen… Nee, Freunde! Das will ich nicht! Ich drehe mich um und gehe weg, weil ich für diesen Typen nichts gutes mehr sehen kann, weil ich mich nicht, von genug eigenen Problemen geplagt, herunter ziehen lassen will, in einen Sumpf aus wirrer Scheisse, aus dem auch mich letzten Endes nur ein Psychiater ziehen könnte… Ich gehe weg. Ich sehe nicht mehr hin. Ich weiss, dass hinter mir allergrösste Scheisse passiert, ich habe aber nichts mehr damit zu tun!

Auf eine abschliessende Ansprache zum Thema „Vernünftiger Drogenkonsum für Erwachsene“ verzichte ich. Ihr seid alle erwachsen. Ihr solltet gefälligst selber wissen, was ihr euch, euren Freunden und Familien und euren Mitmenschen zumuten dürft!

Schluss jetzt! Das musste mal raus.

Ich bin wieder hier

Ja, ich bin wieder hier. Zurück von einer Europatour, zurück aus einem Kurzurlaub, zurück vom MELT!-Festival, zurück aus der Depression, zurück von einem LSD-Trip und, final, zurück im Single-Leben. Ich bin wieder hier. Zuhause. In Berlin. Draussen regnet es in Strömen und ich habe gute Laune. Ich bin heute Morgen alleine aufgewacht und es war alles gut. Noch immer ist alles gut.

Ich wälze mich durch diverse Blogs, höre Musik, trinke Tee und freue mich auf und über euch, meine kleinefeine Leserschaft. Befindlichkeiten, die zu digitalem Papier zu bringen gilt, gab es reichlich. Mir sprudelt der Kopf über vor bescheuerten, amüsanten und halbernsten Anekdoten und Geschichten in denen ich teilnehmen musste/durfte. Ich habe mir haufenweise interessante Links markiert, die ich nun filtern und durch meinen persönlichen Wolf drehen werde.

Zunächst something Amüsantes, denn: Beastie Boys gehen immer! Muppets gehen immer! Wenn man beides masht, quieken wir vor Entzücken!

(via BuzzFeed, Vimeo Direktlink)

Grobe Ankündigung: Irmbach-Lichterkett liest Irmbach-Lichterkett

Ich war gerade in der Marabu Bar in Kreuzberg auf meinen Nachmittagskaffee und ein Schlückchen Cider. Ich habe nun wahr gemacht, was ich schon einigen Freunden auf privater Ebene androhte: Ich werde meine Texte, ich nenne sie lieber, ganz oldschool, Aufsätze, live vor Publikum lesen.
Verdammt! Ich bin schon jetzt aufgeregt wie ein Haufen Klosterschüler vorm ersten Missbrauch! Ich habe keine Ahnung, was mich dazu treibt, mich schweissgebadet, zittrig und angesoffen vor ein Live-Publikum zu setzen und meine erstunkenen, erlogenen, zurechtgebogenen, aber immer auf einem Fünkchen Wahrheit basierenden Texte zu lesen… Vermutlich liegt es daran, dass ich gerne mehr Feedback hätte. Ein „Gefällt mir“ bei Facebook zu bekommen ist mir scheinbar zu wenig. Obwohl ich mich kaum traue, will ich eure Reaktionen sehen, hören, spüren und riechen.


(Der Schreiberling beim Kaffee im Marabu)

Damit es nicht zu langweilig wird, habe ich einige Texte auf Halde liegen und werde noch einige dazu packen. Natürlich gibt es ein paar Klassiker aus meinem Blog, des Wiedererkennungseffektes wegen. Und soviel sein nun schon verraten: in meinem Kopf reifen gerade die Aufsätze mit den Arbeitstiteln „Johoo, wir ham den Puff von Barcelona nicht gefunden“, sowie „Nenn mich ruhig sexistisch, wenn du magst“. Beide Aufsätze werden dann im September in der Marabu-Bar zu Kreuzberg live gelesen.

Ich habe null Erfahrung was Live-Gelese angeht. Falls jemand hilfreiche Tipps hat, bitte in die Kommentare husten!

Nun vielen Dank an Thekla, die einfach mal in dem Laden gefragt hat, wozu ich wohl kaum die Eier gehabt hätte. Und vielen Dank an Jamil, Top-Thekenmann und Geschäftsführer, der sofort „ja“ gesagt hat.

Lass mich dein Barracuda der Liebe sein: Les Hommes Sauvages

Ich bin kein Musikjournalist! Ich habe mich zwar mal am Rande als solcher versucht, unterlag jedoch purem Zwang (Geld!). Eigentlich ist mir sogar Musikjournalismus zuwider. Er versaut mir nur meinen ausgewählt guten Musikgeschmack!

Wenn ich jedoch seit mehreren Jahren eine Band verfolge, sie hervorragend finde, aber gleichzeitig mit ansehen muss, dass eben diese Band von der etablierten Musikjournaille weitgehend ignoriert wird, platzt mir, mit Verlaub, der Arsch! Kristof Hahn, der mit der liebreizenden Viola Limpet den Kopf dieser Band bildet ist auch bei Weitem kein unbekannter: Seit mittlerweile zwanzig Jahren ist der Mann Gitarrist der stilbildenden No-Wave-Band Swans und tourt derzeit mit ihnen um die Welt. Er hat lange mit Alex Chilton (u. A. Box Tops, Produzent der Cramps) in der Band Koolkings gespielt. Mit Chris Spedding oder Bela B. macht er noch immer hier und da herum, und sogar Iggy Pop schüttelte ihm dereinst im CBGBs mit den Worten die Hand „That was the hell of guitar playing, man!“.
Auch in seiner Band Les Hommes Sauvages rotieren musikalische Größen und Untergrundgrößen: Thomas Wydler (Nick Cave and The Bad Seeds), Gary Schmalzl (Bela B., Jingo de Lunch), Stephan Schulz (dienstältester Mod Berlins, The What… For?), Mike Strauss (Richard Ruin, DisKoKrieg) und natürlich Viola Limpet (The Tumbling Hearts) um nur ein paar zu nennen die um diese Band rotieren.

Mittlerweile befinden sich drei Alben der wilden Menschen in meinem Regal: Playtime, Trafic und Vive la Trance. Allesamt grossartige Scheiben aus der Welt des Rock’n’Roll Noir, Musik für Erwachsene und Liebhaber anspruchsvoller, bisweilen ruhiger Rockmusik. Musik, die klingt, als würden sich Serge Gainsbourg und Chris Isaac in einem verrauchten Loch zum Rocken treffen.

Les Hommes Sauvage haben gerade eine Mini-Tour durch Österreich hinter sich, und endlich gibt es auch mal anständiges Videomaterial zu bewundern. So lehnt euch denn, liebe Leser, zurück, zündet euch eine Gitanes an, schenkt euch ein hochprozentiges Genießerschlückchen ein, und seht euch diesen schönen, kleinen Mittschnitt an:

Eigentlich müsste ich diesen Beitrag nun mit gefühlten zwanzig Links versehen, was ich auch bestimmt noch nachholen werde… im Moment warten aber noch andere Dinge darauf bearbeitet zu werden. Dem geneigten Lauscher schlägt YouTube eh noch ein paar Videos vor, und auf der Bandhomepage warten weitere Infos und ein paar kostenfreie Downloads.

(Les Hommes Sauvages, Barracuda direkt)

Mal was positives…

Bei all meinem Gemecker, Gemotz, Gehack und Geschimpf; sprich: bei all dem Rotz, Gift und Gestank, den ich hier gerne mal verbreite, habe ich trotz des dringenden Bedürfnisses nach einem ordentlichen Genickschuss, das Gefühl, ich müsste auch mal was positives verbreiten, was ich hiermit tue:

Das Bild habe ich gestern im Görlitzer Park aufgenommen. Macht doch damit, was ihr wollt!

Ich hab Neukölln

(via Weissnichtmehr)

Einer dieser Tage – Teil 1

Mann! Ich hatte gestern einen dieser langen Abende der weder mit Feierlichkeiten, noch mit dem damit einhergehenden Alkohol- und/oder Drogenkonsum zu tun hatte. Eigentlich wollte ich mir in aller Ruhe ein DFB-Pokalspiel ansehen, mich am Dschungelcamp weiden und halbwegs zeitig ins Bett. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit bekam ich einen Anruf. Das nette Gespräch dauerte satte zwei Stunden. Bereits während dieses Gespräches wurde ich per Skype angechattet. Auch der Chat dauerte zwei Stunden und war alles andere als unanstrengend. Fußball und Dschungelcamp rauschten als farbige Flimmerkulisse durch meinen geistigen Hintergrund. Der ruhige Abend war perdü, an zeitigen Schlaf nicht zu denken!

Eigentlich kann ich schlafen wie ein Koalabär (das Tier, das nachweislich am längsten schläft. Nämlich 20 Stunden am Tag). Gebt mir eine halbwegs bequeme Fläche zum Ausstrecken, ich schlafe ruckzuck ein. Da kann man mich mit Kaffee abfüllen, Drogen in mich hinein blasen, das Zeug, was mich vom Schlafen abhält, muss erst noch erfunden werden!

Einzig, die von Funny van Dannen so genannte „Herzscheisse*“, hält mich vom Schlafen ab. Nicht immer, aber wenn, dann richtig! Da werfe ich mich hin und her und her und hin, schalte den Fernseher an und wieder aus, fresse den Kühlschrank leer, stöpsel mein DJ-Equipment zusammen, erfreue damit meine Nachbarn und bin von mir selbst genervt. Habe ich mich dann doch irgendwann müde geglotzt, gefressen, gedeejayt und genervt, schlafe ich irgendwann am Morgen ein. Dass dem heute so war, ist nun auch nicht weiter schlimm; muss ja erst ab späten Nachmittag arbeiten.

Heute, allerdings, hat der Heizungsableser mir einen dicken Strich durch meine Rechnung gemacht! Als er in furchtbarer Frühe (9:00 Uhr) an meiner Wohnungstür klingelte, fuhr ich, wie vom Defibrilator gestochen, aus meinen Träumen, stolperte, nur mit einem T-Shirt und Socken bekleidet (Sorry, dass ich im Bett Socken trage, aber es ist immer noch Winter!), auf der Suche nach meinem Bademantel ins Bad, finde irgendwie in das Ding hinein, bedecke meine Behaarten Schenkel und eine morgendliche Halberektion, und öffne dem Herrn Ableser mit wirrem Haar und zerknautschtem Gesicht die Pforten zu meinem Neuköllner 40-Quadratemeter-Paradies.

„Juten Morjen, Herr Irmbach-Lichterkett!“ brüllt mir ein klein gewachsener Eingeborener mit Latzhose in die schlaffaltige Visage und begehrt Einlass. „Öhm… Morgen. Auf sie habe ich schon gewartet.“ entgegne ich dem Herrn, und verlasse bereits mit dem ersten Satz des Tages den Pfad der Wahrheit. „Ja! Dit seh‘ ick!“ brüllt der Herr zurück, und setzt deeskalierend hinzu „Kann ja ma‘ vorkommen, wa!? Jestern een zu viel jehabt, wa!?“.

Dafür liebe ich die Eingeborenen: brüllen einem schon am frühen Morgen ungeschönt ins Gesicht, was sie denken. In der Annahme, ich könnte mein Zimmer schnell noch etwas besuchsfreundlich gestalten, leite ich Herrn Ableser zunächst ins Bad und haste in mein Zimmer. Mittlerweile habe ich sogar mein Hirn hochfahren können und unterziehe meine Behausung einer raschen Prüfung. Das Ergebnis der optischen Prüfung rät mir, wenigstens die voll gerotzten Taschentücher vom Boden zu sammeln und, zu hoffen, dass der Ableser die herumliegenden Socken, die Turnschuhe, die Westernstiefel, die leeren Flaschen, das Mischpult, den vollen Aschenbecher, den Staubsauger mitten im Raum, die Klamotten, die Kabel und all das, was sonst noch so da liegt, wo es nicht hingehört, übersieht… Die olfaktorische Prüfung ergibt, dass hier ein Mann in den besten Jahren, eine Nacht lang geraucht und ausgedünstet, und seit zwölf Stunden das Fenster nicht geöffnet hat. Ich stürze zum Fenster, die morgendliche Halberektion hat zur normalen Pimmeligkeit zurück gefunden und ist noch immer wirksam bedeckt, und reisse es auf. Es schneit und ist kalt. In meinem Kopf aktiviert sich, völlig unpassend, die Eitelkeits-Routine und sagt: „Westernstiefel kannste heute vergessen!“

Nun stehe ich in meinem Zimmer und habe Westernstiefel im Kopf und Gelumpe am Boden, als Herr Ableser das Zimmer betritt. Ein „Kann ja ma‘ vorkommen, wa!“ vor sich hin murmelnd, wühlt er sich durch meine einzige Zimmerpflanze, die zu einem Drittel aus toten Blättern besteht, liest zügig dieses Ding ab, gibt mir irgend einen Wisch, lässt mich einen zweiten unterschreiben und verlässt „Kann ja ma‘ vorkommen, wa!“ brüllend die Wohnung.

Nun stehe ich hier, nur mit T-Shirt, Socken und einem Bademantel bekleidet, und habe eine unbestimmbare Angst vor dem Rest des Tages. Ich zögere kurz, stolpere über ein Paar Westernstiefel und gehe wieder ins Bett.

 

Der Tag ist noch nicht zu Ende. Ergo: Fortsetzung folgt.

 

*ich habe absolut nichts gegen „Herzscheisse“. Hie und da möchte so ein Herz halt mal ausgeschüttet werden. Dass ich davon nicht schlafen kann, dafür kann die „Herzscheisse“ nun auch nichts.

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